Nordhausen, Multitalent Ossietzky Hof

Nordhausen, Multitalent Ossietzky Hof

Ressourcenbewusster Umbau im Plattenbauquartier

Ein umfassender Ressourcenschutz wird das Gesicht von Stadt und Land(schaft) langfristig verändern. Wie diese Veränderungen aussehen können, erarbeitet beispielhaft die Stadt Nordhausen mit dem Landkreis Nordhausen, der Städtischen Wohnungsbaugesellschaft Nordhausen (SWG), der Hochschule Nordhausen und einer Vielzahl an lokalen Akteur:innen. In unterschiedlichen Kooperationen und zu verschiedenen Themen werden seitdem vier Nordhäuser Vorhaben entwickelt: die modellhafte Nachverdichtung des Altstadtquartiers Altendorfer Kirchviertel, die Entwicklung eines integriertes Mobilitätskonzeptes für Stadt und Landkreis, die Erarbeitung eines Klima-Gestaltungsplans als ein neues informelles Planungsinstrument sowie der klimagerechte Stadtumbau des Plattenbauquartiers Nordhausen Nord.

Multitalent Ossietzky Hof

Wie die klimagerechte Entwicklung eines Plattenbauquartiers funktioniert, erprobt die Stadt anhand des Umbaus des Ossietzky Hofs in Verantwortung der Städtischen Wohnungsbaugesellschaft mbH (SWG) Nordhausen. Aufbauend auf einem Rahmenplan für Nordhausen Nord wurde 2018 ein hochbaulicher Realisierungswettbewerb ausgelobt.

Sophia, Ludwig und Franzi

Mit dem Realisierungswettbewerb ›Multitalent gesucht‹ fragte die SWG Nordhausen 2018 in Kooperation mit der Stadt Nordhausen nach Umbaulösungen für den Plattenbauhof in der Carl-von-Ossietzky-Straße, der Wohnen, Soziales, Freiraum, Mobilität, Energie, Wasser und Versorgung nachhaltig zusammendenken sollte. Neue und vorbildliche Standards zur ressourcenbewussten Gestaltung von differenzierten Wohn-, Gemeinschafts- und Freiraummodellen sollen den alten und neuen Bewohner:innen Möglichkeiten der gemeinschaftlichen und individuellen Aneignung bieten. Ziel des Wettbewerbs war das Aufzeigen einer Umstrukturierung des ausgewählten Hofes zu einem neuen ›Multitalent‹ mit nachvollziehbaren und umsetzbaren Angeboten für lokal verankerte und klimagerechte Lebensentwürfe einer zukünftig sozial und demographisch vielfältigen Bewohnerschaft.

Im Dezember 2018 wurde der Siegerentwurf vom Büro Hütten & Paläste gemeinsam mit herrburg Landschaftsarchitekten und eZeit Ingenieure sowie ZRS Architekten GvA mbH aus Berlin gekürt, der individuelle Ansätze, nämlich Sophia, Ludwig und Franzi, für eine maßvolle Transformation des Plattenbauhofs präsentiert.

Die Arbeit formuliert mit den Häusern Sophia, Ludwig und Franzi drei gelungene Ansätze für eine maßvolle Transformation der einzelnen Bestandsgebäude, bei denen jeweils unterschiedlich tief in die Substanz eingegriffen wird. Durch eine gemeinsame Terrassenzone werden die drei Baukörper städtebaulich verbunden und erhalten so eine barrierefreie Erschließung. Die Terrasse schafft einen intimeren grünen Innenbereich, der gleichzeitig auch als Pufferspeicher für Regenwasser dient. ©Hütten & Paläste Architekten, Berlin, mit herrburg Landschaftsarchitekten, Berlin und mit eZeit Ingenieure, Berlin sowie mit ZRS Architekten GvA mbH, Berlin

©ARGE Ossietzkyhof

Haus Ludwig wird derzeit saniert und bis 2023 fertiggestellt. Haus Franzi wurde Ende 2021 zurückgebaut. Geplant ist die Neuerrichtung eines modularen und nachhaltigen Neubaus, die Ausschreibung dazu erfolgt 2022. Für Sophia wird in diesem Jahr die Genehmigung des Umbaus erwartet, der Baustart ist für 2022/2023 geplant.

Klimagerechte Energieversorgung 

Das Projekt soll außerdem zeigen, wie in einer bestehenden Wohninfrastruktur durch ein Nahwärmenetzwerk und die Nutzung dezentraler erneuerbarer Energien ein sozialverträglicher Beitrag zur Energiewende und zum Klimaschutz geleistet werden kann. Zur Produktion und Nutzung von grüner Energie mit integriertem Betrieb wurde hierfür ein vernetztes Quartierskonzept entwickelt. Mit der Planung und Umsetzung wird eine Modelllösung erarbeitet, die bereits heute, bezogen auf Energieverbrauch und Ressourceneinsatz, einen niedrigen ökologischen Fußabdruck aufweist und ohne Nachrüstung die bundesweiten Klimaschutzziele für 2045 schon mit Fertigstellung des Quartiers erreicht.

Das Projekt ist ein Teilvorhaben der klimagerechten Quartiersentwicklung in Nordhausen Nord und Teil der IBA Projektfamilie StadtLandKlima Nordhausen.

Zukunftsstrategie Nordhausen_Grafik Jörn Gertenbach Copyright BMBF.png

Zukunftsstrategie Nordhausen_Grafik Jörn Gertenbach Copyright BMBF.png
Die Zukunftsstrategie für die Stadt und den Landkreis Nordhausen setzt auf die Querschnittsthemen Baukultur, Mobilität, Produktion und Konsum und verbindet alle Themen mit konkreten Ideen. Grafik: Jörn Gertenbach, Urban Catalyst Studio. © Bundesministerium für Bildung und Forschung
Projektprozess 
IBA Fachbeirat empfiehlt Projektstatus für Rahmenplan zur klimagerechten Quartiersentwicklung Nordhausen
05. März 2021

IBA Fachbeirat empfiehlt Projektstatus für Rahmenplan zur klimagerechten Quartiersentwicklung Nordhausen

Wettbewerb in Nordhausen entschieden
11. Dezember 2018

Wettbewerb in Nordhausen entschieden

Konzept ›Mehr Stadt. Mehr Land. Mehr Siedlung‹
13. Juni 2017

Konzept ›Mehr Stadt. Mehr Land. Mehr Siedlung‹

 

Ablauf Mehrfachbeauftragung:
11. April 2017 Auftaktveranstaltung
09. Mai 2017 Zwischenpräsentation
13. Juni 2017 Endpräsentation und Jurysitzung
21. Juni 2017 Bürgergespräch

Verfahrensbetreuung:
Vinzenz Dilcher, UmbauStadt GbR (Weimar)
Matthias Seidel, UmbauStadt GbR (Weimar)

Fachjury:
Dr. Marta Doehler-Behzadi, Stadtplanerin, Geschäftsführerin IBA Thüringen
Prof. Dr. Dagmar Everding, Architektin, Professur Dezentrale Strukturen und Systeme, Hochschule Nordhausen
Florian Köhl, Architekt, fatkoehl architekten (Berlin)
Jun.-Prof. Dr. Sigrun Langner, Landschaftsarchitektin, Professur Landschaftsarchitektur und -planung, Bauhaus-Universität Weimar, STATION C23 (Leipzig)
Prof. Ingo Andreas Wolf, Architekt und Stadtplaner, Professur für Städtebau und Entwurf, HTWK Leipzig, pwbaukunst (Leipzig), Mitglied des Fachbeirats der IBA Thüringen

Sachjury:
Sven Dörmann, Vorstand Wohnungswesen der Wohnungsbaugenossenschaft eG Südharz
Inge Klaan, Geschäftsführerin der Städtischen Wohnungsbaugesellschaft mbH Nordhausen
Manfred König, Erster ehrenamtlicher Beigeordnete der Stadt Nordhausen
Dr. Horst Petri, Bewohnervertreter

Sachverständige Berater/innen (ohne Stimmrecht):
Petra Diemer, Stadt Nordhausen, Amt für Zukunftsfragen und Stadtentwicklung
Kerstin Faber, Projektleiterin IBA Thüringen
Beate Meißner, Stadt Nordhausen, Amt für Zukunftsfragen und Stadtentwicklung
Burkhard Zschau, Faktor-i³ Energiekonzepte und Beratung, Autor der Energie- und Potenzialanalyse für Nordhausen Nord (Ehrenfriedersdorf/Dresden)

Presseberichte:
NZZ Online: Mehr Stadt. Mehr Land. Mehr Siedlung
Thüringer Allgemeine: Weniger Platte, mehr Leben: Nordhausen-Nord wird umgestaltet

Startschuss für die ›Zukunftsstadt‹
27. Oktober 2015

Startschuss für die ›Zukunftsstadt‹

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Ort 
Nordhausen
Deutschland