Nordhausen, StadtLandMobilität

Nordhausen, StadtLandMobilität

Kooperative Mobilität: StadtLand erprobt neue Verbindungen

Ein umfassender Ressourcenschutz wird das Gesicht von Stadt und Land(schaft) langfristig verändern. Wie diese Veränderungen aussehen können, erarbeitet beispielhaft die Stadt Nordhausen mit dem Landkreis Nordhausen, der Städtischen Wohnungsbaugesellschaft Nordhausen (SWG), der Hochschule Nordhausen und einer Vielzahl an lokalen Akteur:innen. In unterschiedlichen Kooperationen und zu verschiedenen Themen werden seitdem vier Nordhäuser Vorhaben entwickelt: der klimagerechte Stadtumbau des Plattenbauquartiers Nordhausen Nord, die modellhafte Nachverdichtung des Altstadtquartiers Altendorfer Kirchviertel, die Erarbeitung eines Klima-Gestaltungsplans als ein neues informelles Planungsinstrument sowie die Entwicklung eines integrierten Mobilitätskonzeptes für Stadt und Landkreis.

Nachhaltige Mobilität für StadtLand Nordhausen

Die Organisation einer nachhaltigen Mobilität ist vor allem für eine ländlich geprägte Region wie Nordhausen eine Herausforderung. Stadtentwicklung vor dem Hintergrund der Mobilitätswende zu entwickeln, ist deshalb seit Jahren fester Bestandteil der Zukunftsgestaltung.

Im Rahmen eines Zukunftsstadt-Prozesses im Jahr 2015/16 wurden zur Stabilisierung der Mobilität im ländlichen Raum und als Katalysator für den Umstieg vom Auto zu einer Mehrnutzung des ÖPNV hin alternative Finanzierungsmöglichkeiten des ÖPNV wie z.B. das Bürgerticket diskutiert. Besonders die Umstellung auf Elektrobusse im Stadtverkehr sowie der komplett elektrische Betrieb der Combino-Duo-Straßenbahn werden seitdem verfolgt. Parallel soll in Kooperation mit dem Verkehrsverbund Mittelthüringen das eTicket in Nordhausen eingeführt werden. Die Stadt Nordhausen hat sich außerdem das Ziel gesetzt, die CO2-Emissionen zu reduzieren.

Stadt und Landkreis Nordhausen erarbeiten hierfür ein integratives Mobilitätskonzept, das die nachhaltige und emissionsfreie Mobilität in den Blick nimmt. Mit dem Konzept soll der Versuch gestartet werden, Mobilität als ökologisch sinnvolle und sozial gerechte Erreichbarkeit von Angeboten zu betrachten – und das nicht in einer Metropole, sondern ausgehend von einem ländlichen Zentrum, der Stadt Nordhausen in Thüringen. Als übergeordnetes Ziel wurden die emissionsfreie Mobilität ab 2040 sowie drei Zielstrategien auf dem Weg dorthin festgelegt: die Mobilität für alle ohne eigenes Auto, der Vorrang für Fuß und Rad und die Mobilität von allen für alle.

Der Erarbeitungsprozess sieht dazu kein reines Konzept nur auf dem Papier vor, sondern eine enge Bürgerbeteiligung vor Ort: Drei Bürgerwerkstätten und drei Interventionen stellen erste Lösungen vor und diskutieren sie. Nachdem 2021 der ÖPNV im Mittelpunkt stand und das 1-Euro-Ticket für Stadt und Landkreis erprobt wurden, geht es 2022 um den Rad- und Fußverkehr. Vom 14. Mai bis 3. Juni 2022 wurde hierfür eine Bandbreite an Radinterventionen durchgeführt, die ihren Abschluss im gemeinsamen ›Stadtradeln‹ bis zum 24. Juni finden. Ziel ist die deutliche CO2 Einsparung in der StadtLandRegion.

Die neu erstellte Website ndhbewegtsich.de gibt Auskunft zu allen Themen und bietet Möglichkeiten der gemeinsamen Verabredung zum An- und Mitradeln. Im Sommer schließt eine dritte Intervention zum Thema Fußmoblität an. Am 6. Oktober 2022 ist die Abschlusspräsentation des integrierten Konzeptes geplant.

Die Zukunftsstrategie für die Stadt und den Landkreis Nordhausen setzt auf die Querschnittsthemen Baukultur, Mobilität, Produktion und Konsum und verbindet alle Themen mit konkreten Ideen. Grafik: Jörn Gertenbach, Urban Catalyst Studio. © Bundesministerium für Bildung und Forschung

Auftakt für den gemeinschaftlichen Arbeitsprozess in Nordhausen und Landkreis waren fünf öffentliche Bürgerwerkstätten im Jahr 2015/2016, an denen sich Interessierte Bürger:innen sowie Vertreter:innen aus Wissenschaft, lokaler Politik, Wirtschaft und Verwaltung beteiligten. In der Nordhäuser Zukunftszeitung wurden die Ideen der Bürgerwerkstätten für (Um)Bau-, Mobilitäts- und Klimaschutzprojekte aus der Zukunftsperspektive präsentiert.

Projektprozess 
ÖPNV Aktionswoche mit Bus-Gesprächen durchgeführt
17. September 2021

Nordhausen beweget sich!

Feedback, Ideen und Wünsche zum ÖPNV rund um Stadt und Landkreis Nordhausen waren Ziel der ›Bus-Gespräche‹.

Erarbeitung des integrierten Mobilitätskonzepts startet
16. November 2020

Erarbeitung des integrierten Mobilitätskonzepts startet

Abschlussforum zur ›Zukunftsstadt Nordhausen‹
14. März 2016

Abschlussforum zur ›Zukunftsstadt Nordhausen‹

Die an diesem Abend gebildete Redaktionsgruppe aus Bürger:innen und Verwaltung kümmerte sich um die Gestaltung der Zukunftszeitung für Nordhausen und um die Formulierung des Abschlussberichts (siehe Links/Material).

Die an diesem Abend gebildete Redaktionsgruppe aus Bürgern und Verwaltung wird sich nun um die Gestaltung einer Zukunftszeitung und um die Formulierung des Abschlussberichts kümmern. Beide Teile bilden zusammen mit dem ›Zukunftsbild-Nordhausen‹ den Wettbewerbsbeitrag, den Nordhausen beim Bundesministerium für Bildung und Forschung im Sommer einreichen wird. Die Jury des Ministeriums wird anschließend die 20 vielversprechendsten Beiträge aus den 51 Teilnehmerstädten auswählen, welche dann die Förderung für die zweite Phase des Wettbewerbs erhalten.

Bürgerwerkstätten für Zukunftsstadt
22. Februar 2016

Bürgerwerkstätten für Zukunftsstadt

Anwesend waren interessierte Bürger:innen, Schüler:innen und Studierende, Bürgermeister:innen aus den Gemeinden der Region Nordhausen, die Stadtwerke, Wohnungsgesellschaft und –genossenschaft, Vereine, Energiegenossenschaften.

Ergebnis des ersten Tages: Viele Projekte für eine Zukunftsstadt sind in Nordhausen und im Landkreis bereits Realität. So gibt es beispielsweise Bürger:innen, die ihr Auto der Gemeinschaft zur Verfügung stellen, indem sie es stunden- oder tageweise vermietet. Andere Initiativen, wie beispielsweise die Bürgerstiftung Park Hohenrode engagieren sich schon seit Jahren für die Grundflächenentwicklung in der Region. Unternehmen wie die städtische Wohnungsgesellschaft investieren bereits in Projekte zur Gestaltung des energetischen Wandels.

Einen kurzen Input zu den Themen der drei Arbeitsgruppen ›Gemeinsam investieren‹, ›Gemeinsam Verhalten ändern‹ und ›Gemeinsam motivieren‹ gaben der Kommunikationsdesigner Prof. Steffen Schuhmann von der Kunsthochschule Berlin Weissensee, die Projektleiterin Kerstin Faber von der IBA Thüringen, der Vorsitzende des Vereins Bürgerenergie Thüringen Matthias Golle sowie Prof. Dagmar Everding vom Lehrstuhl Ökologischer Stadtumbau der Hochschule Nordhausen.

Mobil in die Zukunft

Im Januar 2016 trotzten wieder rund 70 Teilnehmer:innen dem Wintereinbruch und kamen zur zweiten Bürgerwerkstatt, um eine Stadt-Land-Mobilität für das Jahr 2030 zu entwerfen. Den fachlichen Einstieg der Veranstaltung lieferten die beiden Referenten und Experten für Mobilität Prof. Dr. Gather von der FH Erfurt und Dr. Wilde von der Goethe-Universität Frankfurt. So stellte sich unter anderem heraus, dass im Durchschnitt ein Fahrzeug zu 95% ungenutzt bleibt, ein öffentlicher Parkplatz uns alle statistisch aber 10.000 Euro pro Jahr dafür kostet. Ein CarSharing Auto ersetzt wiederum bis zu acht Privat-Pkws – und würde uns damit um 80.000 Euro pro Jahr erleichtern. Neben diesen Informationen wurden zahlreiche praktische Beispiele zu innovativen und bewegenden Initiativen und Projekten vorgestellt. In drei Arbeitsgruppen wurde anschließend weitergearbeitet.

In der ersten Arbeitsgruppe unter dem Titel ›Nordhausens Nahverkehr gesichert in die Zukunft‹ kamen die Möglichkeiten und Wege zur Sprache, den Nahverkehr in Stadt und Landkreis dauerhaft zu sichern. So wurde über einen ticketlosen ÖPNV im gesamten Landkreis und die Möglichkeiten eines Bürgerbusvereins für Nordhausen diskutiert.

Die zweite Arbeitsgruppe beschäftigte sich mit dem Thema ›Teilen statt besitzen‹, eine Überzeugung mit Nachholbedarf in Sachen Anhängerschaft. Die Wege zu einem sicheren und lebenswerten Straßenraum wurden in der dritten Arbeitsgruppe besprochen. Initiativen wie autofreie Tage, Rad- und Fußverkehrs-Apps mit Belohnungssytem und Lastenraddienstleistungen wurden vorgeschlagen.

Innovativ denken, realistisch handeln

Im Februar 2016 fand die 3. Bürgerwerkstatt, wieder mit rund 70 Teilnehmer:innen, statt. Diesmal zum anspruchsvollen Thema energetischer Stadtumbau.

Die Hochschule Nordhausen ist als Forschungs- und Bildungseinrichtung eine Quelle für Fachwissen. Prof. Dr. Dagmar Everding und Prof. Dr. Rainer Große stellten am Beginn der Veranstaltungen die aktuellen Forschungsschwerpunkte der Hochschule vor. In den Arbeitsgruppen berichteten Studierende von Semesterprojekten, in denen sie konkrete Vorschläge für den energetischen Stadtumbau in Nordhausen erarbeiteten. Christina Sager-Klaus vom Fraunhofer Institut für Bauphysik in Kassel betonte in ihrem Einstiegsvortrag die Notwendigkeit, Projekte zu initiieren, die sich langfristig eigenwirtschaftlich entwickeln können. Der Stadtumbau muss vor allem aus dem Bestand gedacht werden.

Innovativ denken und realistisch handeln war dann auch das Ergebnis der ersten Arbeitsgruppe ›Energetischer Umbau von Stadtquartieren‹. Die technischen Mittel zur Erzeugung Erneuerbarer Energien (EE) stehen bereits zur Verfügung. Vorhandene Infrastrukturen müssen auf die Nutzung von EE geprüft und umgestellt werden. Energetischer Stadtumbau bedeutet aber auch, kurze Wege zu ermöglichen. Die Einsparung von CO2 steht an erster Stelle, ebenso die soziale Verträglichkeit. Energetischer Stadtumbau muss daher immer mit einer sozial-räumlichen Qualifizierung zusammengedacht werden und darf nicht nur vor dem Hintergrund der energetischen Optimierung erfolgen.

Den Einstieg und die fachliche Begleitung der zweiten Arbeitsgruppe zum Thema ›Energielandschaft StadtLand gestalten‹ gab Prof. Dr. Doris Gstach, die die Professur Freiraumplanung und Landschaftsgestaltung an der FH Erfurt inne hat. Der Wandel im System der Energieerzeugung und Ressourcennutzung hat immer Auswirkungen auf die Landschaft gehabt. Zeugnisse historischer Produktionslandschaften werden heute größtenteils akzeptiert, sogar als natürlich ästhetisch empfunden. Dies muss auch für die aktuelle Energiewende gelten. Dabei müssen Freizeitlandschaft, Naturschutz und produktive Landschaft – ob landwirtschaftlich oder energetisch – viel stärker als eine Einheit zusammen gedacht werden. Es wurde anschließend diskutiert, wie ein Handbuch für Best Practice-Beispiele für die Region entstehen kann.

Die dritte Arbeitsgruppe ›Vom Altbau zum energetischen Traumhaus‹ beriet der Architekt Steffen Langner von ADOBE Architekten aus Erfurt. Ergebnis: Es müssen immer Individuallösungen gefunden werden, die eine nachhaltige soziale, ökonomische und ökologische Entwicklung ermöglichen. Eine Blaupause gibt es nicht. Darüber hinaus wurden konkrete Maßnahmen - wie beispielweise das Nutzen regionaler Ressourcen als nachhaltige Baustoffe für den Wohnungsbau und der Verzicht auf Verbundstoffe – diskutiert.

Startschuss für die ›Zukunftsstadt‹
27. Oktober 2015

Startschuss für die ›Zukunftsstadt‹

Kalender 

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Ort 
Nordhausen
Deutschland
Träger
Förderer

Thüringer Richtlinie zur Förderung von Projekten und Maßnahmen der Regionalentwicklung und zur Gestaltung der Folgen des demografischen Wandels

IBA Projektleiterin

Kerstin Faber
Projektleiterin
Telefon +49 3644 51832-10
kerstin.faber@iba-thueringen.de