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Projekte
Thüringen, LeerGut-Agenten

Thüringen, LeerGut-Agenten

Thüringen, LeerGut-Agenten

LeerGut retten: Thüringer Netzwerk zur Belebung von Leerstand 

Auf Initiative der IBA Thüringen gründeten sich 2018 die LeerGut-Agenten als Thüringer Netzwerk zur gemeinwohlorientierten Belebung von Leerstand. Für die IBA ist Leerstand eine wertvolle Ressource in Hinblick auf knappe Bauflächen und Baustoffe, Ortsgeschichte und Identität, Handwerkskunst, graue Energie, Umweltschutz und Baukultur - eben LeerGut.

Die LeerGut-Agenten wollen neue Nutzer:innen, Kommunen und Alt­eigentümer:innen dabei unter­stützen, Altbauten und Brachen wiederzubeleben. Viele leerstehende Gebäude und Brachen, darunter alte Fabriken, Schulen, Beherbungsstätten, Verwaltungen und Hofstellen sind für nur eine Nutzungseinheit zu groß. Entsprechend bedarf es des Leerstandsmanagements, der Bildung von Baugruppen, der Entwicklung von Nutzungs- und Betreiberkonzepten und der Beratung bei Fragen des Planungs- und Baurechts, der Finanzierung und der Förderung, bis hin zu alternativen Eigentumsformen wie Erbbaurecht und Genossenschaften. 

Die LeerGut-Agenten verknüpfen Initiativen, Wissen und Erfahrungen, damit aus guten Ideen machbare Projekte werden. Ziel ist es, Alternati­ven zu Spekulation, Verfall und Abriss, aber auch zu weiterem Neubau ›auf der grünen Wiese‹ aufzuzeigen. Dabei ermöglichen die LeerGut-Agenten die persönliche Entfaltung der Beteiligten, das Gemeinwohl in der Region, der Kleinstadt bzw. im Dorf zu stärken und die planetaren Grenzen, insbesondere Boden, Umwelt und Klima, zu berücksichtigen. Mit ihrem Selbstverständnis als Thüringer Lobby für eine gemeinwohlorientierte Immobilienentwicklung, setzen sie sich so für die Um- und Wiedernutzung von Häusern und Brachen in den ländlichen Räumen ein und für eine Baukultur, die Innovationen in der Planung, Finanzierung und Förderung hervorbringt. 

2021 bauten die LeerGut-Agenten mit finanzieller Unterstützung der IBA Thüringen mit den ›LeerGut-Scheinen‹ ein entsprechendes Beratungsangebot auf: Sie möchten Initiativen zur Entwicklung von leerstehenden Immobilien insbesondere in der sogenannten „Phase 0“ vernetzen, beraten und unterstützen – von der Idee zum Projekt. Im Jahr 2022 boten sie außerdem bei der Thüringer Kommunalakademie eine Fortbildung zu neuen Nutzergruppen, Leerstandsmanagement und Baulandpolitik an.

Mehr zum Projekt 
Netzwerktreffen der LeerGut-Agenten bei IBA Projekt Haus Bräutigam
03. Mai 2022

Netzwerktreffen der LeerGut-Agenten bei IBA Projekt Haus Bräutigam

Foto: Tom Kunzelmann

Fortbildungsangebot ›Leerstand als Chance‹ bei der Thüringer Kommunalkademie gestartet
24. März 2022

Fortbildungsangebot ›Leerstand als Chance‹ bei der Thüringer Kommunalkademie gestartet

Das Fortbildungsangebot ›Leerstand als Chance‹ wurde in der Kommunalakademie Thüringen in Erfurt durchgeführt. Foto: Dr. Bertram Schiffers

Thema ›Bestand als Ressource‹ beim Netzwerktreffen spezial online
17. März 2022

Thema ›Bestand als Ressource‹ beim Netzwerktreffen spezial online

Die Wiedernutzung von Gebäuden ist aufgrund der darin gebundenen „grauen Energie“ ein grundsätzlich nachhaltiger Ansatz. Für deren Ertüchtigung braucht es jedoch Wissen über den Bestand und ressourcenschonende Umbaukonzepte. Zentral ist dabei eine Kreislaufwirtschaft von Baustoffen, wozu lokale Herstellung, aber auch Reparatur, Abbruch und Wiederverwendbarkeit im Sinne des „urban oder auch rural mining“ zählen. Foto: Fridtjof Florian Dossin

IBA Fachbeirat empfiehlt Kandidatenstatus für die ›LeerGut-Agenten‹
14. September 2020

IBA Fachbeirat empfiehlt Kandidatenstatus für die ›LeerGut-Agenten‹

Kalender 

Momentan keine Termine

Förderer

IBA Thüringen

Ansprechpartner:innen

Katrin Hitziggrad
Koordination
Telefon +49 176 830 548 61
kontakt@leergut-agenten.de

Dr. Bertram Schiffers
IBA Projektleiter
Telefon +49 3644 51832-14
bertram.schiffers@iba-thueringen.de

Schwarzatal, Haus Bräutigam

Schwarzatal, Haus Bräutigam

Schwarzatal, Haus Bräutigam

Neue Stadt-Land-Verbindung: Verein entwickelt Sommerfrischehaus

Der Verein Haus Bräutigam e.V. entwickelt ein Sommerfrische Haus in Schwarzburg zu einem Ort für temporäres Wohnen und Arbeiten, nachdem die Zukunftswerkstatt Schwarzatal e.V. das Objekt in der Ortsmitte vor dem Abriss bewahrt hatte. Die gemeinschaftlich organisierte Transformation des Hauses soll zu einem zukunftsfähigen Modell für ressourcenschonende Umbau- und Umnutzungsprojekte mit Ausstrahlung in den Ort, die Region und darüber hinaus werden.

›Haus Bräutigam‹ steht damit für eine fruchtbare neue Stadt-Land-Verbindung. Zusätzlich zum IBA Projektstatus hat der Verein Fördermittel unter anderem von der Förderinitiative ›Ländliche Entwicklung in Thüringen‹ mit Mitteln aus dem Europäischen Landwirtschaftsfond für die Entwicklung des ländlichen Raumes (ELER) eingeworben und im Herbst 2019 mit dem Rückbau von Anbauten an der vorgehängten Fassade begonnen werden: Seitdem wurden Bauteile zurückgebaut, das Fachwerk professionell instand gesetzt und das Dach neu gedeckt. Neben Baufirmen haben insbesondere die Vereinsmitglieder und weitere Interessierte Anteil am Baugeschehen. Diese Hands-on-Mentalität schafft Experimentierfreude, entfacht Diskussionen über Details, fordert mit einfachen Mitteln umsetzbares und materialgerechtes Arbeiten. Die eigenverantwortliche Arbeit provoziert so auch Fragen, unter welchen Bedingungen und mit welchen Mitteln heute gebaut wird.

Maßgebend bei allen Umbauten ist immer der größtmögliche Erhalt von Bausubstanz. Im Jahr 2022 plant der Verein eine öffentliche Reihe von ›Offenen Baustellen‹, die die Reparatur von Bausubstanz zum Thema macht.

Das IBA Projekt gehört zur Projektfamilie Sommerfrische Schwarzatal. Der Verein Haus Bräutigam e.V. wird unterstützt durch die Stiftung trias, die Zukunftswerkstatt Schwarzatal sowie die IBA Thüringen.

Der Verein Haus Bräutigam präsentierte sich und seine Arbeit zum Tag der Sommerfrische 2019 zum ersten Mal. Unter anderem wurden hier im historischen Sommerfrischehaus die Ausbaupläne für das IBA Projekt präsentiert.

Im Herbst 2019 wurde mit dem Rückbau von Anbauten an der vorgehängten Fassade begonnen. Das historische Fachwerk konnte so bereits wieder freigelegt werden.

Zum Tag der Sommerfrische 2021 präsentierte der Verein ›Haus Bräutigam‹ seine Baustelle.

Die Vereinsmitglieder, darunter Architekt:innen, übernehmen viele Sanierungsarbeiten selbst. Im Bereich des Dachgeschosses treffen die Ergebnisse des Handwerks, hier die professionelle Fachwerkinstandsetzung und Dachdeckung und die überwiegend durch Laien hergestellte zweifarbige Holzschalung zusammen.

Mehr zum Projekt 
1. Bauschule im Sommerfrische Haus Bräutigam
05. September 2021

1. Bauschule im Sommerfrische Haus Bräutigam

In 10 Tagen lebten und arbeiteten die insgesamt sieben Teilnehmer:innen vor Ort, wo sie unter Anleitung erfahrener Handwerker die Techniken und Methoden zum fachgerechtem Umgang mit Wandauf­bauten im Fachwerkbau lernten und diese selbstsändig in die Praxis umsetzten.

Im Zeitraum der Bauschule wurde so das Haus durch die Gruppe aus Bauinteressierten und Vereinsmitgliedern des Haus Bräutigam e.V. erstmals wieder provisorisch bewohnt und die Terrasse mit einer temporären Küche aktiviert.

Rückblick auf den Tag der Sommerfrische 2021
22. August 2021

Rückblick auf den Tag der Sommerfrische 2021

Sondervermögen StadtLand Thüringen startet mit zwei Grundstücken im Schwarzatal
11. Dezember 2020

Sommerfrische Häuser in Döschnitz und Schwarzburg mit Unterstützung der Stiftung trias für langfristige Entwicklung gesichert

Es hätte nicht viel gefehlt und das Haus Bräutigam wäre nicht mehr zu retten gewesen. Anstatt als Spekulationsobjekt langsam zu verfallen, erhält es nun eine zweite Chance als Ort für temporäres Wohnen und Arbeiten.

Wohnhaus einer Brauereifamilie, Zuflucht für Heimatvertriebene, Bürgermeisterbüro, Jagdstube und Heimatmuseum - das im 18. Jahrhundert erbaute Haus Döschnitz hat eine vielfältige Nutzungsgeschichte. Der Verein Haus Döschnitz entwickelt das Gebäude gemeinsam mit lokalen Akteuren zu einem über die Region hinaus ausstrahlenden Ort für Bildung und Forschung, Kultur und Geschichte, sowie Wohnen und Arbeiten zwischen Stadt und Land. Foto: Dörthe Hagenguth

Hannes Langguth vom Verein Haus Döschnitz: »Das Erbbaurecht ermöglicht allen Beteiligten eine auf Langfristigkeit und Gemeinwohl ausgerichtete Entwicklung auf Augenhöhe. Darüber hinaus birgt es die große Chance, dass Thüringer Kommunen mittelfristig das Erbbaurecht als wirksames Instrument einer nachhaltigen Bewirtschaftung ihrer öffentlichen Vermögen wiederentdecken.«

Marta Doehler-Behzadi, Geschäftsführerin der IBA Thüringen: »Grund und Boden sind nicht vermehrbar. Wir müssen damit sorgfältig umgehen. In Zusammenarbeit mit der Stiftung trias ist nun eine Struktur entstanden, den Boden konsequent gemeinwohlorientiert zu verwenden und kein ›Geschäft‹ daraus zu machen. Das hat sich in vielen Großstädten bewährt, wo sich zivilgesellschaftliche Initiativen auf einem erhitzten Immobilienmarkt gar nicht anders behaupten könnten. Auf demografisches Wachstum und herkömmliche Investoren kann der ländliche Raum Thüringens hingegen selten zählen. Daher müssen wir neue Wege für Eigentums-, Betreiber- und Entwicklungsstrukturen finden, um es Initiativen zu ermöglichen, ihre Vorhaben umzusetzen und das StadtLand nachhaltig zu entwickeln.«

Hintergrund

Die Stiftung trias wurde 2002 gegründet um Menschen und Projekte zu unterstützen und zu fördern, die Antworten auf die gesellschaftlichen Fragestellungen der Bodenspekulation, der ökologischen Verhaltensweisen und des sozialen Zusammenwohnens und -lebens suchen. Sie ist eine thematische Bürgerstiftung, die ihr Vermögen aus einer breiten Schicht von Bürgern bezieht.
Die IBA Thüringen arbeitet seit 2014 intensiv mit zahlreichen Projektträgern an Alternativen zur Sicherung und Entwicklung leerstehender Bauten. Ein räumlicher Fokus liegt dabei auf dem Schwarzatal, das mit viel Leerstand zu kämpfen hat. Gemeinsam mit der Zukunftswerkstatt Schwarzatal arbeitet die IBA hier an der nachhaltigen Aktivierung dieser Region sowohl auf baukultureller wie auch gesellschaftlicher Ebene. Mit dem jährlichen Tag der Sommerfrische, dem fertigen IBA Projekt Bahnhof Rottenbach, dem Schloss Schwarzburg und den beiden Sommerfrische Häusern Haus Bräutigam und Haus Döschnitz hat die Region vermehrt Aufmerksamkeit erhalten. Nun gilt es, die steigende Nachfrage zu verstetigen und mit alternativen Betreiberstrukturen neue Entwicklungen im wirtschaftlichen wie gesellschaftlichen Bereich zu ermöglichen, und dabei den Gemeinnutz dauerhaft zu sichern.

Rückblick auf den Tag der Sommerfrische 2020
23. August 2020

Rückblick auf den Tag der Sommerfrische 2020

Ministerpräsident auf Thüringen-Tour macht Halt in Haus Bräutigam
29. Juli 2020

Ministerpräsident auf Thüringen-Tour macht Halt in Haus Bräutigam

Ministerpräsident Ramelow wurde durch Haus Bräutigam geführt, das seit 2019 behutsam saniert wird.

Unter dem Motto ›Land & Leute‹ ging Ministerpräsident Ramelow vom 20. bis zum 30. Juli 2020 auf Reisen quer durch ganz Thüringen, wo er rund 30 Ziele in allen Landkreisen des Freistaats besuchte. „Mit viel Kreativität, Fleiß und Erfolg treiben die Menschen im ländlichen Raum Thüringens ihre Projekte voran und zeigen an vielen Stellen, wie lebenswert das Land auch abseits der städtischen Zentren ist“, sagte Ministerpräsident Bodo Ramelow in Hinblick auf das Programm der Thüringen-Tour.

IBA Fachbeirat empfiehlt Projektstatus für ›Haus Bräutigam‹
06. September 2019

IBA Fachbeirat empfiehlt Projektstatus für ›Haus Bräutigam‹

Kalender 

Momentan keine Termine

Ort 
Haus Bräutigam
Am Schloßberg 10
07427 Schwarzburg
Deutschland
Partner

Zukunftswerkstatt Schwarzatal e.V.

Förderer
Planungsbeteiligte
Ansprechpartnerin

Ulrike Rothe
Projektleiterin
Telefon +49 3644 51832-13
​ulrike.rothe@iba-thueringen.de

Schwarzatal, Haus Döschnitz

Schwarzatal, Haus Döschnitz

Schwarzatal, Haus Döschnitz

Ort des Austausches zwischen Stadt und Land 

»Döschnitz bietet mehr als die Flucht aus Arbeitsalltag und hektischer Urbanität: Es geht um die Flucht aus dem System, um zukunftsweisende Heterotopie in StadtLand.«
Prof. Andreas Wolf, ehemaliges Fachbeiratsmitglied der IBA Thüringen

Schon früher war das Schwarzatal, eines der schönsten Täler des Thüringer Waldes, bekannt bei geplagten Großstädtern. Das angenehme Klima, die schönen Fachwerkhäuser und das frische Wasser lockten sie in Scharen hierher. Heute sind viele Sommerfrische Häuser leer und verfallen. Doch immer mehr Menschen aus der Stadt wollen die Qualitäten ländlicher Räume wieder nutzen.

Wohnhaus der Brauereifamilie Böttner, Zuflucht für Heimatvertriebene, Bürgermeisterbüro, Jagdstube, Heimatmuseum sowie kurzzeitig Unterkuft zum Probewohnen - das im 18. Jahrhundert erbaute Haus Döschnitz hat eine vielfältige Nutzungsgeschichte. Der neu gegründete Verein Haus Döschnitz e.V. will das historische Fachwerkgebäude in Zukunft zu einem lebhaften Ort des Austausches zwischen Stadt und Land etablieren: 

›Ziel des Vereins ist es, unter Einbeziehung überregionaler und lokaler Akteure, einen über die Region hinaus ausstrahlenden Ort für die regelmäßige Begegnung und den experimentellen Austausch in den Bereichen Bildung und Forschung, Kultur und Geschichte, sowie Wohnen und Arbeiten zwischen Stadt und Land zu etablieren. Ein neuer Ort, der sowohl für Einzelpersonen als auch Gruppen die temporäre Möglichkeit bietet, im Kontext des Naturraumes Schwarzatal kooperativ zu lernen, zu arbeiten und zu wohnen. Darüber hinaus ein Raum, der sich der örtlichen Gemeinde öffnet und durch wiederkehrende programmatische Impulse das gesellschaftliche und demokratische Zusammenleben vor Ort anregt.‹ s. Website Haus Döschnitz e.V. 

Nach der im April 2018 fertiggestellten Einrichtung einer originellen Unterkunft durch Jenaer Architektin Lina Maria Mentrup, geht das IBA Projekt Haus Döschnitz nun in eine nächste Entwicklungsphase. Lina Maria Mentrup richtete im Heimatmuseum mit viel Ideen und wenig Aufwand eine Sommerfrische Wohnung ein. Die dabei verfolgte, behutsame und kostengünstige Sanierung unter großer Berücksichtigung der historischen Bausubstanz ist beispielgebend für weitere leerstehende Häuser in der Region und wird auch bei der weiteren Entwicklung des Sommerfrische Hauses verfolgt.

Der Verein Haus Döschnitz e.V will 2022 Innenräume des Gebäudes sanieren. Eine Gemeinschaftsküche, ein Gemeinschaftsraum, sanitäre Anlagen und ein Heizkonzept sollen entstehen. Parallel werden im Sommer in Zusammenarbeit mit der Technischen Universität Berlin (Fachgebiet Natural Building Lab) und der Hochschule München (Fachgebiet Bauen im Bestand und Denkmalpflege) voraussichtlich zwei Werkstattwochen mit Studierenden durchgeführt.

Der Verein Haus Döschnitz e.V. wird unterstützt durch die Stiftung trias, die Zukunftswerkstatt Schwarzatal sowie die IBA Thüringen.

Die Sommerfrische Wohnung in dem 400 Jahre alten Fachwerkhaus in Döschnitz wurde bereits 2018 fertiggestellt. Foto: Dörthe Hagenguth

Historisch bedeutende Elemente wurden für die neue Sommerfrische Wohnung freigelegt und durch einfach Mittel zu einem zeitgemäßen Wohlfühlort kombiniert. Foto: Dörthe Hagenguth

Die behutsame und kostengünstige Teilsanierung des Baudenkmals unter großer Berücksichtigung der historischen Bausubstanz erhielt 2019 den Architekturpreis der Architektenkammer Thüringen. Foto: Dörthe Hagenguth

Das Sommerfrische Haus ist auch weiterhin meist zum Tag des offenen Denkmals und zum Tag der Sommerfrische zu besichtigen.

Mehr zum Projekt 
Rückblick auf den Tag der Sommerfrische 2021
22. August 2021

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Kinobus ¡ANDA! auf Tour im Schwarzatal und der Region Seltenrain
29. August 2021

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Betreiberwechsel bei IBA Projekt Döschnitz
04. September 2020

Betreiberwechsel bei IBA Projekt Döschnitz

Sondervermögen StadtLand Thüringen startet mit zwei Grundstücken im Schwarzatal
11. Dezember 2020

Sommerfrische Häuser in Döschnitz und Schwarzburg mit Unterstützung der Stiftung trias für langfristige Entwicklung gesichert

Es hätte nicht viel gefehlt und das Haus Bräutigam wäre nicht mehr zu retten gewesen. Anstatt als Spekulationsobjekt langsam zu verfallen, erhält es nun eine zweite Chance als Ort für temporäres Wohnen und Arbeiten.

Wohnhaus einer Brauereifamilie, Zuflucht für Heimatvertriebene, Bürgermeisterbüro, Jagdstube und Heimatmuseum - das im 18. Jahrhundert erbaute Haus Döschnitz hat eine vielfältige Nutzungsgeschichte. Der Verein Haus Döschnitz entwickelt das Gebäude gemeinsam mit lokalen Akteuren zu einem über die Region hinaus ausstrahlenden Ort für Bildung und Forschung, Kultur und Geschichte, sowie Wohnen und Arbeiten zwischen Stadt und Land. Foto: Dörthe Hagenguth

Hannes Langguth vom Verein Haus Döschnitz: »Das Erbbaurecht ermöglicht allen Beteiligten eine auf Langfristigkeit und Gemeinwohl ausgerichtete Entwicklung auf Augenhöhe. Darüber hinaus birgt es die große Chance, dass Thüringer Kommunen mittelfristig das Erbbaurecht als wirksames Instrument einer nachhaltigen Bewirtschaftung ihrer öffentlichen Vermögen wiederentdecken.«

Marta Doehler-Behzadi, Geschäftsführerin der IBA Thüringen: »Grund und Boden sind nicht vermehrbar. Wir müssen damit sorgfältig umgehen. In Zusammenarbeit mit der Stiftung trias ist nun eine Struktur entstanden, den Boden konsequent gemeinwohlorientiert zu verwenden und kein ›Geschäft‹ daraus zu machen. Das hat sich in vielen Großstädten bewährt, wo sich zivilgesellschaftliche Initiativen auf einem erhitzten Immobilienmarkt gar nicht anders behaupten könnten. Auf demografisches Wachstum und herkömmliche Investoren kann der ländliche Raum Thüringens hingegen selten zählen. Daher müssen wir neue Wege für Eigentums-, Betreiber- und Entwicklungsstrukturen finden, um es Initiativen zu ermöglichen, ihre Vorhaben umzusetzen und das StadtLand nachhaltig zu entwickeln.«

Hintergrund

Die Stiftung trias wurde 2002 gegründet um Menschen und Projekte zu unterstützen und zu fördern, die Antworten auf die gesellschaftlichen Fragestellungen der Bodenspekulation, der ökologischen Verhaltensweisen und des sozialen Zusammenwohnens und -lebens suchen. Sie ist eine thematische Bürgerstiftung, die ihr Vermögen aus einer breiten Schicht von Bürgern bezieht.
Die IBA Thüringen arbeitet seit 2014 intensiv mit zahlreichen Projektträgern an Alternativen zur Sicherung und Entwicklung leerstehender Bauten. Ein räumlicher Fokus liegt dabei auf dem Schwarzatal, das mit viel Leerstand zu kämpfen hat. Gemeinsam mit der Zukunftswerkstatt Schwarzatal arbeitet die IBA hier an der nachhaltigen Aktivierung dieser Region sowohl auf baukultureller wie auch gesellschaftlicher Ebene. Mit dem jährlichen Tag der Sommerfrische, dem fertigen IBA Projekt Bahnhof Rottenbach, dem Schloss Schwarzburg und den beiden Sommerfrische Häusern Haus Bräutigam und Haus Döschnitz hat die Region vermehrt Aufmerksamkeit erhalten. Nun gilt es, die steigende Nachfrage zu verstetigen und mit alternativen Betreiberstrukturen neue Entwicklungen im wirtschaftlichen wie gesellschaftlichen Bereich zu ermöglichen, und dabei den Gemeinnutz dauerhaft zu sichern.

Architekturpreis für das Sommerfrische Haus Döschnitz
06. Juni 2019

Architekturpreis für das Sommerfrische Haus Döschnitz

Merle in der Sommerfrische ist fertig
24. April 2018

Merle in der Sommerfrische ist fertig

Döschnitz wird IBA Projekt
02. Februar 2018

Döschnitz wird IBA Projekt

Sondervermögen StadtLand Thüringen

Sondervermögen StadtLand Thüringen

Sondervermögen StadtLand Thüringen

LeerGut retten: Grundstücke langfristig sichern

Das ›Sondervermögen StadtLand Thüringen‹ nimmt dauerhaft Grundstücke auf, um Leerstand neu zu beleben und alternative Betreiberstrukturen zu ermöglichen. Die Erträge aus dem Sondervermögen werden gemeinnützig eingesetzt und Spekulation mit Boden verhindert. Grundlage des Verfahrens ist das Erbbaurecht. Gegründet wurde das Sondervermögen im April 2020 von der Stiftung trias und der IBA Thüringen. Ausgangspunkt war die Sicherung baukultureller Schätze im Schwarzatal, das Sondervermögen ist jedoch auf Dauer und thüringenweit angelegt.

Am 4. Dezember 2020 hat die Stiftung trias zwei Grundstücke im Schwarzatal erworben, auf denen das Haus Döschnitz und das Haus Bräutigam in Schwarzburg stehen, beides Projekte der IBA Thüringen mit zukunftsorientierten Betreiberstrukturen: Zwei Vereine aus Weimar und Berlin aktivieren diese historischen Sommerfrische Häuser als Orte der Begegnung, Arbeit und Erholung. Diese Nutzerkonstellation steht Modell für neue Verflechtungen zwischen Stadt und Land in Thüringen und einen Mehrwert in der Region. Die Stiftung trias und die Vereine schließen nun jeweils Erbbaurechtsverträge ab.

Rolf Novy-Huy, Geschäftsführer der Stiftung trias: »Wenn bürgerschaftliches Engagement gepaart mit Fachwissen sich eines alten Gebäudes annehmen, können ganz neue, spannende Projekte entstehen. Über das Erbbaurecht und den Fonds sichern die Projekte im Schwarztal nicht nur ihre Ziele ab, sondern engagieren sich darüber hinaus.«

Für die Nutzung der Grundstücke erhebt die Stiftung einen Erbbauzins, den sie für ihre gemeinnützigen Zwecke, für die Finanzierung neuer Projekte sowie die Verwaltung einsetzt. Das Angebot, Grundstücke in das Sondervermögen StadtLand Thüringen als ewiges, gemeinnütziges Stiftungseigentum zu überführen, richtet sich auch an andere Eigentümer leerstehender oder wenig genutzter Liegenschaften sowie an Projektinitiativen und Gruppen in Thüringen, die Boden als Gemeingut ansehen und eine dauerhafte, gemeinwohlorientierte Entwicklung zu langfristig planbaren Konditionen anstreben. Damit werden sie Teil eines solidarischen Netzwerkes von Hausprojekten, Quartiers- und Dorfinitiativen.

Till Hoffmann vom Verein Haus Bräutigam: »Wir haben uns bewusst für das Erbbaurecht und gegen das Eigentum entschieden, denn dadurch wird eine gemeinwohlorientierte Nutzung dauerhaft sichergestellt. Wir freuen uns, dass mit unserem Erbbauzins zukünftig neue Projekte in der Region unterstützt werden können.«

Es hätte nicht viel gefehlt und das Haus Bräutigam wäre nicht mehr zu retten gewesen. Anstatt als Spekulationsobjekt langsam zu verfallen, erhält es nun eine zweite Chance als Ort für temporäres Wohnen und Arbeiten.

Hannes Langguth vom Verein Haus Döschnitz: »Das Erbbaurecht ermöglicht allen Beteiligten eine auf Langfristigkeit und Gemeinwohl ausgerichtete Entwicklung auf Augenhöhe. Darüber hinaus birgt es die große Chance, dass Thüringer Kommunen mittelfristig das Erbbaurecht als wirksames Instrument einer nachhaltigen Bewirtschaftung ihrer öffentlichen Vermögen wiederentdecken.«

Artikel
Netzwerktreffen der LeerGut-Agenten bei IBA Projekt Haus Bräutigam
03. Mai 2022

Netzwerktreffen der LeerGut-Agenten bei IBA Projekt Haus Bräutigam

Foto: Tom Kunzelmann

Sondervermögen StadtLand Thüringen startet mit zwei Grundstücken im Schwarzatal
11. Dezember 2020

Sommerfrische Häuser in Döschnitz und Schwarzburg mit Unterstützung der Stiftung trias für langfristige Entwicklung gesichert

Es hätte nicht viel gefehlt und das Haus Bräutigam wäre nicht mehr zu retten gewesen. Anstatt als Spekulationsobjekt langsam zu verfallen, erhält es nun eine zweite Chance als Ort für temporäres Wohnen und Arbeiten.

Wohnhaus einer Brauereifamilie, Zuflucht für Heimatvertriebene, Bürgermeisterbüro, Jagdstube und Heimatmuseum - das im 18. Jahrhundert erbaute Haus Döschnitz hat eine vielfältige Nutzungsgeschichte. Der Verein Haus Döschnitz entwickelt das Gebäude gemeinsam mit lokalen Akteuren zu einem über die Region hinaus ausstrahlenden Ort für Bildung und Forschung, Kultur und Geschichte, sowie Wohnen und Arbeiten zwischen Stadt und Land. Foto: Dörthe Hagenguth

Hannes Langguth vom Verein Haus Döschnitz: »Das Erbbaurecht ermöglicht allen Beteiligten eine auf Langfristigkeit und Gemeinwohl ausgerichtete Entwicklung auf Augenhöhe. Darüber hinaus birgt es die große Chance, dass Thüringer Kommunen mittelfristig das Erbbaurecht als wirksames Instrument einer nachhaltigen Bewirtschaftung ihrer öffentlichen Vermögen wiederentdecken.«

Marta Doehler-Behzadi, Geschäftsführerin der IBA Thüringen: »Grund und Boden sind nicht vermehrbar. Wir müssen damit sorgfältig umgehen. In Zusammenarbeit mit der Stiftung trias ist nun eine Struktur entstanden, den Boden konsequent gemeinwohlorientiert zu verwenden und kein ›Geschäft‹ daraus zu machen. Das hat sich in vielen Großstädten bewährt, wo sich zivilgesellschaftliche Initiativen auf einem erhitzten Immobilienmarkt gar nicht anders behaupten könnten. Auf demografisches Wachstum und herkömmliche Investoren kann der ländliche Raum Thüringens hingegen selten zählen. Daher müssen wir neue Wege für Eigentums-, Betreiber- und Entwicklungsstrukturen finden, um es Initiativen zu ermöglichen, ihre Vorhaben umzusetzen und das StadtLand nachhaltig zu entwickeln.«

Hintergrund

Die Stiftung trias wurde 2002 gegründet um Menschen und Projekte zu unterstützen und zu fördern, die Antworten auf die gesellschaftlichen Fragestellungen der Bodenspekulation, der ökologischen Verhaltensweisen und des sozialen Zusammenwohnens und -lebens suchen. Sie ist eine thematische Bürgerstiftung, die ihr Vermögen aus einer breiten Schicht von Bürgern bezieht.
Die IBA Thüringen arbeitet seit 2014 intensiv mit zahlreichen Projektträgern an Alternativen zur Sicherung und Entwicklung leerstehender Bauten. Ein räumlicher Fokus liegt dabei auf dem Schwarzatal, das mit viel Leerstand zu kämpfen hat. Gemeinsam mit der Zukunftswerkstatt Schwarzatal arbeitet die IBA hier an der nachhaltigen Aktivierung dieser Region sowohl auf baukultureller wie auch gesellschaftlicher Ebene. Mit dem jährlichen Tag der Sommerfrische, dem fertigen IBA Projekt Bahnhof Rottenbach, dem Schloss Schwarzburg und den beiden Sommerfrische Häusern Haus Bräutigam und Haus Döschnitz hat die Region vermehrt Aufmerksamkeit erhalten. Nun gilt es, die steigende Nachfrage zu verstetigen und mit alternativen Betreiberstrukturen neue Entwicklungen im wirtschaftlichen wie gesellschaftlichen Bereich zu ermöglichen, und dabei den Gemeinnutz dauerhaft zu sichern.

Kalender

10. Netzwerktreffen der LeerGut-Agenten im Schwarzatal

Am 3. Mai sind die LeerGut-Agenten zu Gast bei IBA Projekt ›Haus Bräutigam‹ im Schwarzatal.

Informiert wird im Rahmen des Netzwerktreffens über den Projektverlauf und das Eigentumskonzept, die Vergabe von Erbbaurecht über die Stiftung Trias sowie über das Sondervermögen StadtLand Thüringen.  

Der Verein Haus Bräutigam e.V. entwickelt das lange leer stehende ehemalige Sommerfrische Haus in Schwarzburg zu einem Ort für temporäres Wohnen und Arbeiten, nachdem die Zukunftswerkstatt Schwarzatal e.V. das Objekt in der Ortsmitte vor dem Abriss bewahrt hatte. Die gemeinschaftlich organisierte und ressourcenschonende Transformation des Hauses wird zu einem zukunftsfähigen Modell für Umbau- und Umnutzungsprojekte mit Ausstrahlung in den Ort, die Region und darüber hinaus. Die Selbsthilfekräfte der Akteur:innen des Vereins stärken das Schwarzatal und die regionale Baukultur und lassen eine fruchtbare und neue Stadt-Land-Verbindung entstehen.

Im Fokus des Netzwerktreffens stehen die persönliche Begegnung, der fachliche Austausch und die Vernetzung unter Aktiven und Praktiker:innen der LeerGut-Agenten sowie allen Interessierten.

Um Anmeldung zur Veranstaltung wird gebten unter kontakt@leergut-agenten.de.

Haus Bräutigam
Am Schloßberg 10
07427 Schwarzburg
Deutschland
DE
Rückblick
09. Juli 2020 - 15:00

6. Netzwerktreffen LeerGut-Agenten

Die LeerGut-Agenten laden zum 6. Netzwerktreffen auf Burg Tannroda bei Bad Berka ein und freuen sich auf Networking und fachlichen Austausch unter Aktiven und Praktikern. Die Agenten informieren unter anderem über das neue Sondervermögen StadtLand Thüringen bei der Stiftung trias, planen LeerGut-Scheine zur Projektberatung in der Phase 0 und eine Fortbildung für Projekte und Kommunen. Es geht wie immer auch um die Vorstellung von Initiativen zur Aktivierung von Leerstand.

Die Teilnehmerzahl muss wegen der aktuellen Situation auf 30 Menschen beschränkt werden, daher bitte unbedingt vorab per Mail anmelden: kontakt@leergut-agenten.de.

Mehr Informationen zu den LeerGut-Agenten unter leergut-agenten.de.

Stiftung Burg Tannroda
Lindenberg 9
99438 Bad Berka
Deutschland
DE
Service

2021: Übersicht der Pressemitteilungen

2021
Übersicht der Pressemitteilungen

16. März 2021

Tank- und Rastanlage Leubinger Fürstenhügel wird eröffnet 
Zahlreiche IBA Projekte vor Baustellenstart

12. September 2021

IBA Projektfamilie ›500 Kirchen – 500 Ideen‹ gewinnt Medaille für Baukultur

11. Oktober 2021

IBA Kandidat ›Gesundheitskioske Region Seltenrain‹ erhält Projektstatus


Apolda, 16. März 2021

Tank- und Rastanlage Leubinger Fürstenhügel wird eröffnet 

Zahlreiche IBA Projekte vor Baustellenstart

Die Internationale Bauausstellung (IBA) Thüringen geht in ihre letzte Etappe und bis zum IBA Finale 2023 gibt es noch einiges zu tun. In Apolda, Nordhausen, am Rennsteig, in Saalfeld, im Schwarzatal, am Thüringer Meer, in Weimar und an anderen StadtLand-Standorten der IBA schreiten die Projekte voran.

Anfang März hat der Fachbeirat der IBA Thüringen für fünf Vorhaben den Projektstatus empfohlen, dazu zählen das Wohnhaus für Studierende ›Das 100‹ in Weimar, das Soziokulturelle Zentrum in der Martinskirche in Apolda, die Quartiersentwicklung in Nordhausen Nord, die ›Wasserfrische‹ für die Region Schwarzatal und die gemeinschaftliche Entwicklung des leerstehenden Bürogebäudes als ›Wir Labor‹ in Erfurt. Damit stehen auch für diese IBA Projekte nach der Konzeptphase die nächsten Schritte bis zur Umsetzung an.

An der Bundesautobahn A 71 wird am 30. März die zukunftsweisende Infrastrukturmaßnahme Tank- und Rastanlage Leubinger Fürstenhügel in Betrieb genommen, das große Infrastrukturprojekt der IBA Thüringen in Kooperation mit der DEGES Deutsche Einheit Fernstraßenplanungs- und -bau GmbH und Shell Deutschland Oil GmbH. Auch der Emporen- und Ahnensaal auf Schloss Schwarzburg, ein zukünftiger Denkort der Demokratie, wird am 1. Mai nach Abschluss der Sanierungsmaßnahmen durch die Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten präsentiert.

Dr. Marta Doehler-Behzadi, Geschäftsführerin der IBA Thüringen: »Die IBA will bis 2023 ein starkes Bekenntnis zum StadtLand Thüringen formulieren. Damit dies keine Theorie bleibt, unterstützen wir unsere Projektpartner überall im Freistaat mit aller Kraft bei der Umsetzung ihrer Vorhaben. Mittlerweile konnten wir gemeinsam mit unserem Netzwerk auch wichtige Initiativen auf den Weg bringen, dazu zählen beispielsweise die LeerGut-Agenten oder das Sondervermögen StadtLand Thüringen. Solche Strukturen sollen auch nach Abschluss der IBA die nachhaltige Verankerung der Modellprojekte sichern.«

Vorbereitungen für das IBA Finale 2023 beginnen

Prof. Dr. Benjamin-Immanuel Hoff, Aufsichtsratsvorsitzender der IBA GmbH und Thüringer Minister für Infrastruktur und Landwirtschaft: »Die IBA Thüringen und ihre Impulse sind relevanter denn je. Sie erfüllen unsere Ansprüche, die etablierte Städtebau- und Landschaftsentwicklung zu hinterfragen, neuzudenken und anzupassen. Gerade mit Blick auf die aktuellen Herausforderungen für die kleinteilige Siedlungsstruktur Thüringens durch Klimawandel, Digitalisierung, aber auch die Bewältigung der Corona-Pandemie eröffnen sich in unseren ländlich geprägten Räumen auch Chancen, die wir bereits wahrnehmen oder noch ergreifen wollen. Davon zeugen unter anderem die StadtLand Projekte. Die IBA Thüringen endet am 31. Dezember 2023. Wie wir ihre Impulse auch darüber hinaus weitertragen, dazu sind die IBA und das Infrastrukturministerium bereits jetzt in engem Austausch.«

Anlage zur IBA Jahrespressekonferenz 2021


12. September 2021

IBA Projektfamilie ›500 Kirchen – 500 Ideen‹ gewinnt Medaille für Baukultur

Das Thüringer Ministerium für Infrastruktur und Landwirtschaft (TMIL) lobte Anfang des Jahres erstmals den Thüringer Staatspreis für Baukultur aus. Von insgesamt 75 Einreichungen im Wettbewerb hat eine Fachjury 17 Projekte für die engere Wahl nominiert. Mit dabei waren auch vier mit der IBA Thüringen verbundene Projekte: ›500 Kirchen – 500 Ideen‹, ›Ein Tor ins Schwarzatal – Bahnhof Rottenbach‹, ›Initiative Zukunftswerkstatt Schwarzatal‹ und das ›Timber Prototype House‹.

Der Staatspreis für Baukultur sowie Sonderpreise und Medaillen wurden am Freitag, den 10. September 2021 in einer festlichen Preisverleihung im Bücherkubus (Studienzentrum der Herzogin-Anna-Amalia-Bibliothek) in Weimar feierlich durch Prof. Dr. Benjamin-Immanuel Hoff vergeben. Das IBA Projekt ›500 Kirchen – 500 Ideen‹ erhielt eine Medaille in der Kategorie ›Initiativen/Institutionen/Personen‹ und wurde stellvertretend für das ganze Projektteam von Ulrike Rothe (IBA Thüringen) und Marcus Schmidt (EKM) entgegengenommen. Ulrike Rothe, Projektleiterin der IBA Thüringen: »Wir freuen uns riesig für alle unsere EKM/IBA Modellkirchen im Rahmen des Gesamtvorhabens STADTLAND:Kirche Thüringen. Die Medaille für Baukultur gibt Kraft für die nächste Etappe bis zum Abschlussjahr der IBA Thüringen 2023.«

2016 riefen die Evangelische Kirchengemeinde in Mitteldeutschland (EKM) und die IBA Thüringen auf, Ideen für zukunftsfähige Nutzungen von evangelischen Kirchen in Thüringen einzureichen. Von den rund 2.000 Kirchen in Thüringen steht rund ein Viertel leer oder werden kaum genutzt. So kamen in dem offenen Ideenwettbewerb ›StadtLand:Kirche‹ 500 Ideen für 500 dieser Kirchen zusammen. 2017 wurden sie in der Erfurter Kaufmannskirche ausgestellt. Folgende Modellprojekte wählte eine Jury anschließend aus dem Aufruf zur Umsetzung im Rahmen der EKM und IBA aus: Die soziokulturelle Zentrumskirche in der Martinskirche Apolda wird gesellschaftlicher Treffpunkt, die Her(R)bergskirche in Neustadt am Rennsteig wird über eine digitale Plattform erfolgreich vermietet. Die St. Annen-Kapelle in Krobitz wurde 2017 mit einer gasbetriebenen Flammenorgel von Künstler Carsten Nicolai zur Kunstkapelle, 2.600 Besucherinnen und Besucher bestaunten das Projekt seitdem. Die Bienen-Garten-Kirche St. Peter und Paul in Roldisleben, ein meditativer Spielplatz in der Kirche St. Nicolai in Niedergebra und die Netzwerkkirche St. Johannis (digital und sozial) in Ellrich sind ebenfalls im Qualifizierungsprozess. 2023, im Finaljahr der IBA Thüringen, werden die Modellprojekte Teil der Abschlusspräsentation der IBA Ausstellung sein.


11. Oktober 2021

IBA Kandidat ›Gesundheitskioske Region Seltenrain‹ erhält Projektstatus

Der IBA Fachbeirat hat in seiner letzten Sitzung am 02. und 03. September empfohlen, den Gesundheitskiosken in der Region Seltenrain den Status eines IBA Projektes zu verleihen. Damit würdigt er die innovative Projektidee für die Verbesserung der Daseinsvorsorge auf dem Land.

Der Fachbeirat hat sich auf einer Rundfahrt in der Region Seltenrain über die Entwicklungen vor Ort informiert. Dabei lernte er die vielfältigen Projekte der Stiftung Landleben und des Vereins Landengel e.V. kennen und besichtigte die vier geplanten Standorte der Gesundheitskioske in Blankenburg, Bruchstedt, Kirchheilingen und Urleben.

Die ortsübergreifende Plattform Landengel e.V. baut mit zahlreichen Partnern ein Gesundheits-, Pflege- und Versorgungsnetzwerk in der Region Seltenrain auf. Ziel des Vereins ist es, im Zuge des demografischen Wandels nicht nur Gesundheitsdienstleistungen anzubieten, sondern soziale Isolation zu vermeiden und die Pflege, Altenhilfe und das Wohlfahrtswesen in ländlichen Regionen zu ermöglichen. Die Region Seltenrain wird damit zum Modellfall für die Vorsorge auf dem Land und zeigt, dass in Zeiten des demografischen Wandels gute Angebote für mehr Lebensqualität auch abseits der Stadt mit der Hilfe engagierter Akteure möglich sind.

Im Juni 2021 ist das Projekt in einer neuen Phase angekommen. Mit Mitteln zur Förderung von Einrichtungen für lokale Basisdienstleistungen des TMIL arbeitet der Verein Landengel e.V. an der architektonischen Umsetzung des neuen Versorgungsnetzwerks. Pasel-K-Architects entwickelten dafür das Konzept, das sich in vier Gemeinden räumlich und gestalterisch an den Bushaltestellen verortet. Die maximal 25 qm großen Kioske dienen als Beratungsraum inklusive Sanitäranlagen und Wartebereich für den Bus. Gestalterisch als ›Familie‹ gedacht, wird die Bauweise in Holz je Standort und Gemeinde individuell erfolgen, ein IBA Bauhüttenprozess geht der gemeinsamen Realisierung voraus. 

Der Fachbeirat würdigte das hohe kooperative Engagement von Stiftung Landleben und Verein Landengel e.V. im Sinne einer ganzheitlichen Versorgung der Bürger*innen in ihren Dörfern. Das nutzerorientierte, experimentelle Vorgehen folgt ganz den Grundsätzen der IBA zur Stärkung der ländlichen Räume.

2020: Übersicht der Pressemitteilungen

2020
Übersicht der Pressemitteilungen

11. Dezember 2020

Sondervermögen StadtLand Thüringen startet mit zwei Grundstücken im Schwarzatal

14. September 2020

IBA Fachbeirat empfiehlt IBA Projekt- und Kandidatenstatus

24. Juli 2020

Internationaler Architekturwettbewerb zum Um- und Neubau des Seesport- und Erlebnispädagogischen Zentrums (SEZ) Kloster entschieden

14. Mai 2020

Eintritt frei! Deine Saison im Eiermannbau Apolda

24. April 2020

IBA Thüringen engagiert sich weiter im ländlichen Raum und unterstützt Holzbaukultur 
Zwei IBA Holzbauprojekte bereits ausgezeichnet


Apolda, 11. Dezember 2020

Sondervermögen StadtLand Thüringen startet mit zwei Grundstücken im Schwarzatal

Sommerfrische Häuser in Döschnitz und Schwarzburg mit Unterstützung der Stiftung trias für langfristige Entwicklung gesichert

Das ›Sondervermögen StadtLand Thüringen‹ nimmt dauerhaft Grundstücke auf, um Leerstand neu zu beleben und alternative Betreiberstrukturen zu ermöglichen. Die Erträge aus dem Sondervermögen werden gemeinnützig eingesetzt und Spekulation mit Boden verhindert. Grundlage des Verfahrens ist das Erbbaurecht. Gegründet wurde das Sondervermögen im April 2020 von der Stiftung trias und der Internationalen Bauausstellung (IBA) Thüringen. Ausgangspunkt war die Sicherung baukultureller Schätze im Schwarzatal, das Sondervermögen ist jedoch auf Dauer und thüringenweit angelegt.

Am 4. Dezember 2020 hat die Stiftung trias zwei Grundstücke im Schwarzatal erworben, auf denen das Haus Döschnitz und das Haus Bräutigam in Schwarzburg stehen, beides Projekte der IBA Thüringen mit zukunftsorientierten Betreiberstrukturen: Zwei Vereine aus Weimar und Berlin aktivieren diese historischen Sommerfrische Häuser als Orte der Begegnung, Arbeit und Erholung. Diese Nutzerkonstellation steht Modell für neue Verflechtungen zwischen Stadt und Land in Thüringen und einen Mehrwert in der Region. Die Stiftung trias und die Vereine schließen nun jeweils Erbbaurechtsverträge ab.

Rolf Novy-Huy, Geschäftsführer der Stiftung trias: »Wenn bürgerschaftliches Engagement gepaart mit Fachwissen sich eines alten Gebäudes annehmen, können ganz neue, spannende Projekte entstehen. Über das Erbbaurecht und den Fonds sichern die Projekte im Schwarztal nicht nur ihre Ziele ab, sondern engagieren sich darüber hinaus.«

Für die Nutzung der Grundstücke erhebt die Stiftung einen Erbbauzins, den sie für ihre gemeinnützigen Zwecke, für die Finanzierung neuer Projekte sowie die Verwaltung einsetzt. Das Angebot, Grundstücke in das Sondervermögen StadtLand Thüringen als ewiges, gemeinnütziges Stiftungseigentum zu überführen, richtet sich auch an andere Eigentümer leerstehender oder wenig genutzter Liegenschaften sowie an Projektinitiativen und Gruppen in Thüringen, die Boden als Gemeingut ansehen und eine dauerhafte, gemeinwohlorientierte Entwicklung zu langfristig planbaren Konditionen anstreben. Damit werden sie Teil eines solidarischen Netzwerkes von Hausprojekten, Quartiers- und Dorfinitiativen.

Till Hoffmann vom Verein Haus Bräutigam: »Wir haben uns bewusst für das Erbbaurecht und gegen das Eigentum entschieden, denn dadurch wird eine gemeinwohlorientierte Nutzung dauerhaft sichergestellt. Wir freuen uns, dass mit unserem Erbbauzins zukünftig neue Projekte in der Region unterstützt werden können.«

Es hätte nicht viel gefehlt und das Haus Bräutigam wäre nicht mehr zu retten gewesen. Anstatt als Spekulationsobjekt langsam zu verfallen, erhält es nun eine zweite Chance als Ort für temporäres Wohnen und Arbeiten.

Hannes Langguth vom Verein Haus Döschnitz: »Das Erbbaurecht ermöglicht allen Beteiligten eine auf Langfristigkeit und Gemeinwohl ausgerichtete Entwicklung auf Augenhöhe. Darüber hinaus birgt es die große Chance, dass Thüringer Kommunen mittelfristig das Erbbaurecht als wirksames Instrument einer nachhaltigen Bewirtschaftung ihrer öffentlichen Vermögen wiederentdecken.«

Wohnhaus einer Brauereifamilie, Zuflucht für Heimatvertriebene, Bürgermeisterbüro, Jagdstube und Heimatmuseum - das im 18. Jahrhundert erbaute Haus Döschnitz hat eine vielfältige Nutzungsgeschichte. Der Verein Haus Döschnitz entwickelt das Gebäude gemeinsam mit lokalen Akteuren zu einem über die Region hinaus ausstrahlenden Ort für Bildung und Forschung, Kultur und Geschichte, sowie Wohnen und Arbeiten zwischen Stadt und Land.

Marta Doehler-Behzadi, Geschäftsführerin der IBA Thüringen: »Grund und Boden sind nicht vermehrbar. Wir müssen damit sorgfältig umgehen. In Zusammenarbeit mit der Stiftung trias ist nun eine Struktur entstanden, den Boden konsequent gemeinwohlorientiert zu verwenden und kein ›Geschäft‹ daraus zu machen. Das hat sich in vielen Großstädten bewährt, wo sich zivilgesellschaftliche Initiativen auf einem erhitzten Immobilienmarkt gar nicht anders behaupten könnten. Auf demografisches Wachstum und herkömmliche Investoren kann der ländliche Raum Thüringens hingegen selten zählen. Daher müssen wir neue Wege für Eigentums-, Betreiber- und Entwicklungsstrukturen finden, um es Initiativen zu ermöglichen, ihre Vorhaben umzusetzen und das StadtLand nachhaltig zu entwickeln.«

Hintergrund

Die Stiftung trias wurde 2002 gegründet um Menschen und Projekte zu unterstützen und zu fördern, die Antworten auf die gesellschaftlichen Fragestellungen der Bodenspekulation, der ökologischen Verhaltensweisen und des sozialen Zusammenwohnens und -lebens suchen. Sie ist eine thematische Bürgerstiftung, die ihr Vermögen aus einer breiten Schicht von Bürgern bezieht.

Die IBA Thüringen arbeitet seit 2014 intensiv mit zahlreichen Projektträgern an Alternativen zur Sicherung und Entwicklung leerstehender Bauten. Ein räumlicher Fokus liegt dabei auf dem Schwarzatal, das mit viel Leerstand zu kämpfen hat. Gemeinsam mit der Zukunftswerkstatt Schwarzatal arbeitet die IBA hier an der nachhaltigen Aktivierung dieser Region sowohl auf baukultureller wie auch gesellschaftlicher Ebene. Mit dem jährlichen Tag der Sommerfrische, dem fertigen IBA Projekt Bahnhof Rottenbach, dem Schloss Schwarzburg und den beiden Sommerfrische Häusern Haus Bräutigam und Haus Döschnitz hat die Region vermehrt Aufmerksamkeit erhalten. Nun gilt es, die steigende Nachfrage zu verstetigen und mit alternativen Betreiberstrukturen neue Entwicklungen im wirtschaftlichen wie gesellschaftlichen Bereich zu ermöglichen, und dabei den Gemeinnutz dauerhaft zu sichern.


Apolda, 14. September 2020

IBA Fachbeirat empfiehlt IBA Projekt- und Kandidatenstatus

IBA Kandidat wird, wer gute Ideen und Konzepte für das StadtLand vorweisen kann. In einem anschließenden Qualifizierungsprozess mit Workshops, Studien, Wettbewerben und ersten Planungen reifen diese Ideen zu Projekten, an die ein hoher Maßstab angelegt wird. IBA Projekte sollen für die Entwicklung Thüringens und darüber hinaus Referenz und Vorbild sein.

IBA Projekt Seesport- und erlebnispädagogisches Zentrum Kloster

Direkt am Ufer der Bleilochtalsperre und zugleich am Thüringer Wald baut der Landessportbund das ehemalige Seesport- und erlebnispädagogische Zentrum Kloster vollständig um. Ziel ist eine landschafts- und funktionsgerechte Architektur in ressourcenschonender Bauweise mit Holz aus der Region. Mit einem größtmöglichen Gestaltungspielraum forderte ein EU-weiter Planungswettbewerb kreative und innovative Lösungen sowie neue, einfache Baustandards explizit heraus. Aus einem Teilnehmerfeld von 19 Planungsteams errangen Ludloff und Ludloff Architekten und Schönherr Landschaftsarchitekten den 1. Preis. Der Landessportbund geht nun unmittelbar an die Umsetzung des neuen IBA Projekts.

IBA Projekt Gera, Häselburg

Im Zentrum der Stadt Gera gelegen, strahlt das Kulturhaus Häselburg mit seinem engagierten Kunstprogramm und Bildungsangebot weit in Stadt und Region aus. Private Bauherren haben das lange leer stehende, gründerzeitliche Gebäudeensemble seit 2016 behutsam instand gesetzt. Inzwischen sind zwei Gebäudeteile der ehemaligen Mädchenschule mit Galerie, Kunstschule, Medienbildungszentrum, Ateliers, Veranstaltungs- und Mieträumen wieder genutzt. Zur städtebaulichen Verankerung und funktionalen Ergänzung sind ein Kulturcafé und ein Gästehaus im dritten Gebäudeteil sowie ein Erweiterungsbau am Stadtgraben geplant. Ein Sockelgeschossneubau wird das bisher offene Blockfragment arrondieren. Hierauf soll eine zeitgenössische Raumskulptur entstehen, die den kreativen Dialog mit dem Altbau und der Stadt aufnimmt.

IBA Projekt Saalfeld, Beulwitzer Straße

Auf dem alten Kasernengelände zum Stadtrand von Saalfeld/Saale ist einer der vielfältigsten und jüngsten Wohnquartiere im Landkreis entstanden. Dazu beigetragen haben die Gemeinschaftsunterkunft für Geflüchtete und die günstigen Mieten in den bestehenden Wohnblocks. Heute gilt es, allen Bewohnern die Ankunft, Integration und Sprungbrettfunktion zu ermöglichen. Um die dafür dringend benötigten Begegnungs-, Entfaltungs- und Arbeitsräume zu schaffen, wird die Stadt Saalfeld mit den Bewohnern in Selbstbauweise ein Werkhaus errichten. Seit 2015 entwickeln das Bildungszentrum Saalfeld und die Stadt Saalfeld diese Idee konsequent weiter. In Anwohnerworkshops, anhand experimenteller Raummodule und mit vielfältigen gemeinsamen Aktivitäten entstanden das Quartierskonzept und ein konkretes Raumprogramm. Nun, da das Grundstück und die Fördermittel gesichert sind, können Werkplanung und Bau beginnen. Das Werkhaus vereint mehrere innovative Zugänge: bei der Planung mit den Anwohnern, beim flexiblen Raumprogramm und der modularen Bauweise bis hin zum Einsatz von Fördermitteln auch für die Selbstbauphasen und ihre fachliche Begleitung.

IBA Projekt Her(r)bergskirchen Thüringer Wald

Ausgehend vom erfolgreichen IBA Pilot-Projekt in der Michaeliskirche in Neustadt am Rennsteig wollen weitere Kirchen ihre Gebäude als Unterkünfte für Wanderer öffnen. Als nächste Standorte entlang des Rennsteigs sind Tambach-Dietharz, Spechtsbrunn, Steinheid und Gehlberg im Gespräch bzw. in der konkreten Planung. Die historischen Kirchenschiffe werden durch Mikroarchitekturen ergänzt, diese bilden Räume für einfache Schlafgelegenheiten ebenso wie für Begegnung und Gespräche. Mit ortsspezifischen Lösungen gelingt es, die Kirchen als öffentliche Gemeinschaftsorte für die Dörfer und Besucher wieder stärker nutzbar und erlebbar zu machen. Um jedes Projekt ist ein vielfältiges lokales Netzwerk unterschiedlicher Akteure entstanden. Die Dachmarke Her(r)bergskirchen verbindet die Standorte und sorgt für die Weiterentwicklung der Ideen sowie die Vermarktung ihres touristischen Potenzials. Die Idee ging aus dem Ideenwettbewerb ›STADTLAND:Kirche. Querdenker für Thüringen 2017‹ hervor, ausgelobt von der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM) gemeinsam mit der IBA Thüringen. Initiiert und weiterentwickelt wurde das Projekt durch ehrenamtliches Engagement der Kirchengemeinde Neustadt am Rennsteig mit Unterstützung junger Architekten aus Berlin und Leipzig.

IBA Kandidat LeerGut-Agenten

Die LeerGut-Agenten, das Thüringer Netzwerk zur Belebung von Leerstand, sind 2018 als Initiative der IBA Thüringen gestartet. Thüringen braucht eine Umbaukultur: weg von weiterer Flächeninanspruchnahme, hin zur Nach- und Umnutzung im Bestand. Vielen Interessierten fehlt aber das Fachwissen in organisatorischer, baulicher und finanzieller Hinsicht zur Aktivierung von LeerGut. Damit innovative und gemeinwohlorientierte Projekte nicht scheitern, soll durch die LeerGut-Agenten gute Beratung und Vernetzung bereitgestellt werden. Sie leisten Hilfe zur Selbsthilfe um aus Ideen machbare Konzepte zu entwickeln, die zugleich einen Mehrwert für den Ort und die Region schaffen. Die LeerGut-Agenten sind als Netzwerk von Thüringer Aktiven gestartet. Ihre Besonderheit ist die Breite der beruflichen Hintergründe, Erfahrungen und Fachkompetenzen der Mitglieder. Damit schaffen die LeerGut-Agenten sowohl den Austausch vor Ort in den Thüringer Regionen als auch in die Fachwelt und Politik. In einer Pilotphase als IBA Kandidat werden sie beim Plattform e.V. eine Koordinationsstelle einrichten, um ihre Netzwerkarbeit zu verstetigen sowie Beratungen und Fortbildungen zu vermitteln.


Apolda, 24. Juli 2020

Internationaler Architekturwettbewerb zum Um- und Neubau des Seesport- und Erlebnispädagogischen Zentrums (SEZ) Kloster entschieden

Ministerpräsident Bodo Ramelow kürt das Team des 1. Preisträgers Ludloff Ludloff Architekten & Schönherr Landschaftsarchitekten Berlin, die mit Entwurf einer filigranen Holzarchitektur für das SEZ überzeugen

Der Landessportbund Thüringen e.V. lobte im Rahmen der Internationalen Bauausstellung (IBA) Thüringen im März 2020 einen hochbaulichen und freiraumplanerischen Realisierungswettbewerb für Architekten zusammen mit Landschaftsarchitekten aus. Gesucht wurden Entwürfe und ein geeignetes Planungsteam für den Um- und Neubau des Seesport- und Erlebnispädagogischen Zentrums (SEZ) in Kloster bei Saalburg-Ebersdorf. Dort finden unter Federführung der Thüringer Sportjugend seit vielen Jahren zahlreiche erfolgreiche Erholungs- und Bildungsveranstaltungen für Vereinsgruppen und Schulklassen statt.

Alle 19 Wettbewerbseingänge setzten sich auf hohem Niveau mit der Aufgabe auseinander. Die wichtigste Zielsetzung des Landessportbunds und der IBA Thüringen war nachhaltiges Planen und Bauen. Mit dem Baustoff Holz sollten neue Bauformen, Bauweisen und Baustandards an der Bleilochtalsperre zeigen, was ›Baukultur made in Thüringen‹ ausmachen kann. Das pädagogische Profil und nicht zuletzt die einzigartige Landschaft des Thüringer Meers boten zusätzlich einen anspruchsvollen Wettbewerbsrahmen.

Nachdem die Jury am 16. Juli 2020 unter Vorsitz von Hermann Kaufmann, Professor für Entwerfen und Holzbau an der TU München, die Wettbewerbseingänge auswertete, wurden die Sieger am 24. Juli 2020 im Eiermannbau Apolda feierlich von Ministerpräsident Bodo Ramelow gekürt: »Dieser Architekturwettbewerb ist ein wichtiger Impuls für die großartigen Entwicklungen am Thüringer Meer. Hier kommen zwei Schwerpunktthemen des Landes zusammen: erstens eine vorbildliche Jugend- und Bildungsarbeit und zweitens das fortschrittliche regionale Bauen mit Holz. Der erste Preis löst unsere Erwartungen dazu voll und ganz ein. Ich wünsche dem Projekt des Landessportbundes, dass es ein weiteres Aushängeschild für Thüringen wird.«

Der Entwurf des 1. Preisträgers versteht das ehemalige Bootshaus des SEZ Kloster als Herz der geplanten neuen Anlage. Der Vorschlag von den beiden Planungsbüros Ludloff Ludloff Architekten und Schönherr Landschaftsarchitekten sieht einen Umbau in filigraner Holzbauweise vor. Zwei neue, lange Flügelbauten mit einem asymmetrisch gefalteten Dach ergänzen das Bootshaus und bieten moderne Übernachtungsmöglichkeiten.

Thomas Zirkel, Hauptgeschäftsführer des Landessportbunds Thüringen: »Dieser Entwurf drückt unseren Anspruch, zeitgemäße Jugendbildung und Sportpädagogik auch räumlich zu verankern und durch die spezifischen Eigenheiten des SEZ Kloster im Naturraum am Thüringer Meer zu verstärken, ideal aus. Dank der großen Unterstützung des Landes wird eine Investition in die pädagogische Arbeit mit Kindern und Jugendlichen geleistet.«

Dr. Marta Doehler-Behzadi, Geschäftsführerin der IBA Thüringen: »Es ist schon lange kein Geheimnis mehr: Holz ist der Baustoff der Zukunft und in Thüringen haben wir viel davon. Solche Wettbewerbe zeigen, wie viel architektonisches Potenzial der Rohstoff hat. Das IBA Projekt am Thüringer Meer kann ein Leuchtturm für eine stabile Wertschöpfungskette Wald-Holz-Bau werden.«

Die Jury hat empfohlen, den Entwurf des 1. Preisträgers zu realisieren. Dahingehend werden jetzt Gespräche aufgenommen, sodass zügig die weitere Planung und Realisierung erfolgen kann.

Mehr Informationen auf der Projektseite


Apolda, 14. Mai 2020

Eintritt frei! Deine Saison im Eiermannbau Apolda

Initiativen und Startups, Handwerker*innen und Kreative, Veranstalter*innen und Kulturschaffende, wir laden Euch in den Eiermannbau Apolda ein! Kommt von Juli bis Oktober 2020 nach Apolda und werdet Pioniernutzer*innen dieses außergewöhnlichen Ortes!

Die IBA Thüringen entwickelt den viele Jahre leer stehenden Eiermannbau in Apolda zu einer Open Factory - einem kreativen und produktiven Ort für viele und vieles. Eine ganzjährige Nutzung des Gebäudes ist derzeit noch nicht möglich, aktuell laufen die Planungen für den technischen Ausbau der Industriehallen. Uns ist es mit Blick auf die aktuellen Einschränkungen und Auswirkungen auf Kulturschaffende durch das Coronavirus ein Anliegen, diese Zwischenphase sinnvoll zu nutzen und vergeben deshalb die großzügigen Räume kostenfrei an gute Mitnutzer*innen und ihre Ideen. Die Open Factory hat also für die Sommersaison 2020 ›freien Eintritt‹!

Mehr Informationen zur Open Factory gibt es auch auf der neuen Website open-factory.de

Direkt zum Aufruf geht es hier


Apolda, 24. April 2020

IBA Thüringen engagiert sich weiter im ländlichen Raum und unterstützt Holzbaukultur 
Zwei IBA Holzbauprojekte bereits ausgezeichnet

Nach einem erfolgreichen Zwischenpräsentationsjahr 2019 mit rund 10.000 Besuchern in der Ausstellung ›StadtLand‹ nimmt die IBA Thüringen bereits heute ihr Finale 2023 in den Blick. Im Fokus der IBA stehen ihre rund 30 Vorhaben in ganz Thüringen – innovative und identitätsbildende Projekte für den ländlichen Raum. Mit ihrem Thema ›StadtLand‹ verdeutlicht die IBA Potenziale und Talente der Provinz. Dieses Thema beherrscht seit geraumer Zeit die gesellschaftliche Debatte; nicht zuletzt die Corona-Krise macht deutlich, dass die Digitalisierung Chancen bietet, dezentrale Strukturen und regionale Wertstoffkreisläufe und Wertschöpfungsketten im ländlichen Raum zu stärken.

Marta Doehler-Behzadi, Geschäftsführerin der IBA Thüringen: »Dies ist auch für die IBA ein ungewöhnlicher Frühlingsstart. Statt der jährlichen Pressekonferenz melden wir uns vorerst aus der Distanz, müssen Veranstaltungen absagen und halten gemeinsam mit den Akteuren vor Ort die Projektarbeit am Laufen. Gleichzeitig schärfen die Herausforderungen unseren Blick auf die Bedeutung des ländlichen Raums und auch die Bedeutung unserer Arbeit.«

Zum Spektrum der IBA Vorhaben gesellt sich eine neue Initiative, die den Projektprozess der Bauausstellung bis zum Finale abrundet und ihre Ziele schärft: HolzBauKultur. »Holzbaukultur ist wie ein strategischer Schlussstein für unsere Arbeit«, so Doehler-Behzadi. Thüringen ist ein waldreiches Bundesland und hat daher viel vom klimafreundlichen Rohstoff Holz zu bieten. Auch bei den weiteren Verarbeitungsstufen will Thüringen zum Vorreiter werden. Es gibt zahlreiche Aktivisten, die sich im Sinne einer Stärkung der regionalen Wirtschaft in vielen Bereichen für die verstärkte Nutzung des klima- und ressourcenschonenden Holzes engagieren. Die von der IBA Thüringen, dem Landesbeirat Wald und Holz Thüringen e.V., der Fachhochschule Erfurt sowie Partnern wie ThüringenForst AöR, dem Thüringer Waldbesitzerverband, Vertretern aus Wirtschaft und Politik sowie Bauherrenschaften und Architekten verfolgte Entwicklung einer stabilen Wertschöpfungskette Wald-Holz-Bau wird für Thüringen identitätsstiftend wirken. Die IBA Thüringen will diese Kooperation weiter stärken und bis 2023 ein Gelegenheitsfenster für den innovativen Holzbau öffnen, der zu einem international beachteten Markenzeichen des Freistaats werden soll.

Die Initiative wird vom Thüringer Ministerpräsidenten Bodo Ramelow ausdrücklich unterstützt: »Jegliche Maßnahme, die die Verwendung des Werkstoffes Holz befördert und die Wertschöpfung im waldreichen Thüringen erhöht, begrüße ich. Es freut mich, dass sich die IBA dieses Themas mit der Initiative ›HolzBauKultur‹ angenommen hat. Damit ist ein weiterer bedeutsamer Akteur hinzugekommen. Gemeinsam wollen wir die vielfachen Pluspunkte von Holz als Baumaterial in das Bewusstsein der Menschen bringen.«

Auch der Aufsichtsratsvorsitzende der IBA GmbH, Prof. Dr. Benjamin-Immanuel Hoff, begrüßt die Zusammenarbeit: »Als sowohl für das Bauwesen, die Baukultur und für das Forstwesen zuständiger Minister freue ich mich besonders über diese zukunftsweisende Kooperation. Holz hat als Baumaterial viele Vorteile und großes Potenzial. Es ist ein nachwachsender Rohstoff, ein klimafreundlicher sowie ästhetischer Baustoff und stärkt regionale Wertschöpfungsketten in Thüringen. Die Landesregierung setzt sich deshalb dafür ein, dass Bauen mit Holz erleichtert wird. Unser Freistaat ist international bekannt für seine Bau- und Waldkultur. Dass die IBA Thüringen beides architektonisch miteinander vereint, betrachte ich als ein Konzept mit Zukunft.«

Zwei fertige IBA Projekte zeugen bereits von den Vorteilen und der gestalterischen Ausdruckskraft von Holzarchitektur – der Sch(l)afstall in Bedheim und das Timber Prototype House auf dem Gelände des Eiermannbaus in Apolda. Beide Bauten haben großes Interesse von der nationalen und internationalen Fachöffentlichkeit erfahren: Der Sch(l)afstall schaffte es auf die Shortlist der Jury des prestigeträchtigen Architekturpreises des Deutschen Architekturmuseums und das Timber Prototype House erhielt den Jurypreis des internationalen Green Concept Awards.

Bei zahlreichen IBA Vorhaben wird geprüft, inwieweit Holz als regional verfügbarer Roh- und Baustoff eingebracht werden kann: Die Gesundheitskioske in der Region Seltenrain sollen Holzexperimente im Kleinformat werden. Der Landessportbund Thüringen plant gemeinsam mit der IBA Thüringen einen Neubau in Holzbauweise für das Seesport- und erlebnispädagogische Zentrum (SEZ) in Kloster in Saalburg-Ebersdorf am Thüringer Meer. Dort finden unter Federführung der Thüringer Sportjugend zahlreiche Erholungs- und Bildungsveranstaltungen im Rahmen der freien Jugendhilfe statt.

Auch das neue IBA Magazin widmet sich dem Thema Holzbaukultur. Es wird auf der Website iba-thueringen.de zum Download angeboten und kann in der IBA Geschäftsstelle bestellt werden.