• IBA Thüringen

      IBA Thüringen

      Bis 2023 entwickelt die Internationale Bauausstellung (IBA) Thüringen mit ihren Partnern ressourcenbewusste Projekte mit gemeinwohlorientierten Werten in und für Thüringen: innovativ, experimentell, zum Nachahmen. StadtLand ist ihr Thema, es beschreibt die kleinteilige Siedlungsstruktur im Freistaat.

      Die IBA Thüringen aktiviert Leerstände im Land – LeerGut umbauen. Sie unterstützt Raumunternehmer und neue Formen der Zusammenarbeit zwischen Verwaltung, Wirtschaft und Zivilgesellschaft – SelbstLand aufbauen. Und sie realisiert experimentelle Neubauten und macht Baukultur zum Markenzeichen von Thüringen – ProvinzModerne neubauen.

      Die IBA Thüringen vernetzt, berät und motiviert ihre Projektträger, unterstützt kooperative Prozesse und fördert exzellente Gestaltung. Ihr Ziel ist es, Thüringen als Ort des Fortschritts und experimentierfreudiges Zukunftslabor neu zu denken.

    • STADTLAND Thüringen

      StadtLand Thüringen

      StadtLand ist das Thema der IBA Thüringen und eine Beschreibung der kleinteiligen Siedlungsstruktur des Freistaats Thüringen. Der Begriff steht für veränderte Beziehungen zwischen Individuen und Natur, Siedlung und Landschaft sowie Gesellschaft und ihren Ressourcen. StadtLand vollzieht eine Einbettung in natürliche, landschaftliche, stoffliche und Ressourcenzusammenhänge, wo einige Jahrhunderte lang Abkopplung im Vordergrund stand. Der IBA Thüringen geht es um einen veränderten, gesellschaftlichen ›Stoffwechsel‹. Durch gleichberechtigte und innovative Stadt-Land-Beziehungen sollen Probleme (besser) gelöst werden; der Regionalbezug wird zur thematischen Klammer für Diskurse und Projekte der IBA Thüringen. Damit kann die IBA Thüringen zum Paten für zahlreiche Regionen Europas und der Welt mit ähnlichen Voraussetzungen und Herausforderungen werden. 

    • Schwerpunkte der IBA Thüringen

      ProvinzModerne & SelbstLand & LeerGut

      Die Projekte und Kandidaten der IBA Thüringen werden je nach Schwerpunkten und Zielen den drei Strategien beziehungsweise Themenfeldern ProvinzModerne neubauen, SelbstLand aufbauen und LeerGut umbauen zugeordnet.

      ProvinzModerne neubauen

      Die IBA Thüringen möchte mit allen Projekten einen wirkungsvollen Beitrag zum Klimaschutz leisten. Unter anderem wird dabei mit Holz­bau eine Bauweise vorangetrieben, die CO2 im Baumaterial bindet und einen in Thüringen weit­ verbreiteten, das heißt regionalen Rohstoff ver­arbeitet. Unter intensiver Beteiligung der Thü­ringer Projektakteurinnen und ­akteure werden so nachhaltige Projekte und zudem ein zukunfts­fähiger Wirtschaftskreislauf für das StadtLand entwickelt. Die Projekte und Kandidaten der ProvinzModerne entwickeln neue Ansätze für das Planen und Bauen der Zukunft und streben eine ›Baukultur made in Thüringen‹ als Markenzeichen von Thüringen an.

      SelbstLand aufbauen

      Neue Bauherrenschaften, Auftraggeberinnen und ­-geber, eine engagierte Zivilgesell­schaft und alternative Organisations-­ und Finanzierungsmodelle sind Ausdruck einer emanzipierten Gesellschaft, die sich einbringt in die baulich­räumlichen Entwicklun­gen und dabei die Ziele und Qualitäten gemeinschaftlich mitbestimmt. Die Projek­te und Kandidaten mit dem Schwerpunkt SelbstLand werden in besonderer Weise von dem Engagement lokaler Akteurinnen und Akteure getragen. Die IBA Thüringen unterstützt sie dabei, hilft, nachhaltige Strukturen und neue Allianzen aufzubauen, und fördert demokratische und solidarische Gemeinschaften.

      LeerGut umbauen

      Leerstand prägt viele Ortsbilder in Thüringen. Das Aktivieren und Weiternutzen dieses Bestandes sichert nicht nur die Außen-­ und Innenwirkung von Ortschaften, sondern ist ein notwendiger und klimabewusster Weg im Umgang mit verbauter Energie, kollek­tiven Identitäten und räumlichen Ressourcen. Gemeinsam mit ihren Partnerinnen und Partnern entwickelt die IBA Thüringen unterschiedliche Leerstände mit Potenzial im StadtLand. Die Projekte und Kandidaten mit dem Schwerpunkt LeerGut kombinieren dafür neue Nutzungs­- und Betreibermodelle mit ressourcenbewussten Baustandards.

    • Austragungsort der IBA Thüringen

      Stadt & Land

      Mit der Erweiterung des Horizonts von Stadt und Dorf in das StadtLand setzen wir den Wandel im regionalen Maßstab auf die Tagesordnung und nehmen systemische Lösungen in den Blick, darunter die zentrale Frage der energetischen Erneuerung. In Hinblick auf die öffentlichen Dienste und Infrastrukturen betrachtet die IBA Thüringen die größeren und kleineren Städte weniger als Zentren, sondern vielmehr als vielfältig mit ihrem Umland vernetzte Zonen. So entsteht ein Handlungsraum, in dem die jeweils besten Potenziale und Kapitale für das StadtLand von übermorgen entwickelt werden können. 

    • Entwicklungspfad der IBA Thüringen

      Umdenken, Umbauen & Recyceln

      Der Umgang mit dem Vorhandenen wird zur wichtigsten Entwicklungsaufgabe. Anstelle stetig zu wachsen, neue Flächen zu verbrauchen und immer wieder neu zu bauen, vertreten Projekte der IBA Thüringen das Weiter- und Wiederverwenden sowie das Umdenken, Umnutzen und Umbauen von Standorten und Gebäuden. Die IBA Thüringen interessiert sich für den kleinstmöglichen Eingriff in das gebaute Thüringen. Im Umgang mit dem Bestand und bei innovativen Um- und Neubauten stehen die Fragen von Klimaschutz und energetischer Erneuerung obenan. Einsparungen und einfache Standards werden eine positive Deutung erfahren, wenn sie selbstbestimmt eingesetzt werden und einen ökonomischen und ökologischen Mehrwert für Thüringen erzeugen. 

    • Arbeitsweise der IBA Thüringen

      Gemeinschaftlich & kooperativ

      Die IBA Thüringen will neue Organisationsformen der Zusammenarbeit und kollektiv getragene Governance­Systeme erproben. Das Augenmerk der IBA Thüringen liegt auf neuen Allianzen, gemeinschaftlichen Projekten und Co-Produktionen zwischen Zivilgesellschaft, Markt und Staat. Die IBA Thüringen setzt nicht nur auf gute Ergebnisse, sondern auch auf vorbildliche und innovative Prozesse. 

    • Ausdrucksweise der IBA Thüringen

      Baukultur made in Thüringen

      Die IBA Thüringen empfiehlt sich mit exzellent gebauten und gestalteten Projekten; Kreativität, Experimentierlust und neue Vorgehensweisen sowie Weltoffenheit vermitteln sich durch hervorragende Gestaltungen. Ganz im Sinn einer Bauausstellung soll in Thüringen eine gültige und konsequent zeitgenössische Aussage des Bauens und Gestaltens gefunden werden, die einen sichtbaren Beitrag zu einer neuen, digitalen, ökologischen, regionalen Baukultur darstellt. Die Sensation liegt dabei weniger im großen Auftritt als im Detail. 

  • Prozess
    • 2023: Finale

      2023

      wird die IBA Thüringen im IBA Finale ihre Ergebnisse präsentieren.

    • 2014: Erster Projektaufruf

      2014

      übernahm Dr. Marta Doehler-Behzadi die Geschäfte der IBA Thüringen. Mit einem Projektaufruf wurde die Gründungsphase der IBA Thüringen abgeschlossen und die Projektarbeit mit 16 nominierten Kandidaten aufgenommen. Auf den ersten IBA Projektaufruf ›Zukunft StadtLand!‹ zwischen Mai und September gingen fast 250 Ideen aus ganz Thüringen ein. Auf Empfehlung des IBA Fachbeirats wurden 16 IBA Kandidaten nominiert und drei Erwartungsräume benannt.

    • 2013: Aufbau der IBA Formate

      2013

      beging die IBA Thüringen ihren offiziellen Auftakt. Es fand die erste IBA KonferenzRessource: Thüringen‹ statt. Unter der Geschäftsführung von Prof. Dr. Engelbert Lütke Daldrup wurden die Strukturen der IBA Thüringen GmbH weiter aufgebaut. Die ersten IBA Salons und Expertengespräche wurden durchgeführt; IBA Touren in alle Landkreise und kreisfreien Städte wurden gestartet und der erste Projektaufruf vorbereitet.

    • 2012: Gründung

      2012

      wurde die Internationale Bauausstellung Thüringen GmbH gegründet. Unter der Geschäftsführung von Prof. Dr. Marion Eich-Born und Frank Krätzschmar begann die strukturelle und inhaltliche Aufbauphase.

    • 2010/2011: Machbarkeitsstudie

      2010/11

      Die Machbarkeitsstudie der IBA Thüringen wurde 2010/11 von einer Projektgruppe im Thüringer Ministerium für Bau, Landesentwicklung und Verkehr erstellt. Die Aufgabe bestand darin, mögliche Themen zu identifizieren, die Mitwirkungsbereitschaft potenzieller Partner auszuloten und geeignete Organisationsstrukturen für eine IBA Thüringen zu ermitteln. Die Ausrichtung der Studie wurde in Gesprächen mit der Bauhaus-Universität Weimar und weiteren Thüringer Hochschulen, einem engeren Beraterkreis aus den ›Ettersburger Gesprächen‹ sowie mit Vertreter:innen gesellschaftlicher Gruppen und Institutionen diskutiert. Die Machbarkeitsstudie gliedert sich in drei Dokumente. Zusätzlich steht eine Kurzfassung zur Verfügung.

    • 2009: Vorbereitung

      2009

      hielt die Thüringer Landesregierung in ihrer Koalitionsvereinbarung fest, die Möglichkeiten einer Internationalen Bauausstellung (IBA) als Teil einer von der Architektenkammer Thüringen angeregten ›Qualitätsoffensive Bauen‹ zu prüfen. Auf Basis der Koalitionsvereinbarung ›Starkes Thüringen – innovativ, nachhaltig, sozial und weltoffen‹ waren die Koalitionspartner CDU und SPD übereingekommen, die Potenziale des Formats einer IBA nutzen zu wollen. Das Thüringer Kabinett erteilte daraufhin dem Ministerium für Bau, Landesentwicklung und Verkehr den Auftrag, eine Machbarkeitsstudie für eine IBA in Thüringen zu erstellen.

    • Beiträge der IBA Geschäftsführung

      Beiträge der IBA Geschäftsführung

      Hier finden Sie ausgewählte Beiträge der IBA Geschäftsführerin Dr. Marta Doehler-Behzadi über StadtLand Themen und die Arbeit der IBA Thüringen.

    • Das Land in der Stadt und die Stadt auf dem Land (2021)

      Das Land in der Stadt und die Stadt auf dem Land (2021)

      Marta Doehler-Behzadi

      In: Wüstenrot Stiftung (Hrsg.) (2021): Bedingt planbar – Stadtentwicklung und Städtebau in Deutschland und Europa. Ludwigsburg: Wüstenrot Stiftung.


      „The countryside is an amalgamation of tendencies that are outside our overview and outside our awareness. Our current obsession with only the city is highly irresponsible because you cannot understand the city without understanding the countryside.“ (Koolhaas 2014) 
       

      Das Millenium der Städte

      Mit Anbruch des neuen Jahrtausends wurde gemeldet, dass weltweit mehr Menschen in Städten lebten als auf dem Land, 2030 werden 60 Prozent der Weltbevölkerung in Städten erwartet. Täuscht der Eindruck oder klang das den Stadtplanern und Stadtplanerinnen wie eine Bestätigung von etwas, das sie schon immer wussten? Die Stadt, Ort von Fortschritt, Vielfalt und Chancen hatte sich als Lebensprinzip weltweit durchgesetzt! Ausgeblendet werden in dieser Kurzfassung, dass ein großer Teil der Landbevölkerung nicht aus freien Stücken in die Stadt geht. Sie kommen aus miserablen Lebensumständen, abgrundtiefer Armut und Sklaverei, fliehen vor Naturkatastrophen und der Erschöpfung ihrer Produktions- und Lebensgrundlagen. Und sie ziehen in die elenden Verhältnisse der großen Städte und Megacities, deren explosionsartiges Wachstum infrastrukturell und ökologisch, sozial und politisch kaum beherrscht werden kann. Ob eine anzustrebende Perspektive der Menschheit in diesen Agglomerationen liegt, kann man durchaus bezweifeln, ob Favelas, Slums und Flüchtlingslager überhaupt noch als ‚Stadt’ bezeichnet werden können, ist ebenso fraglich. Der Wissenschaftliche Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen schlägt angesichts weltweiter Wanderungen unter der Überschrift „Der Umzug der Menschheit“ eine „umfassende polyzentrische Perspektive“ vor, bei der „die Fläche wieder ins urbane Spiel zurückkehrt“ (WBGU, 2016, S. 5).

      Dieses Stadtverständnis geteilter Verantwortung ist auch für den Maßstab Deutschlands angebracht. Und dieses Stadtverständnis braucht ein neues Verhältnis zum Land. Diese These bezieht sich nicht allein auf das Netzwerk der Städte und dessen Potenziale für Kooperation und Arbeitsteilung, sondern auch auf ein neues Verhältnis von Siedlung zu Freiflächen, von Individuum zu Natur sowie von Gesellschaft zu ihren Sourcen und Ressourcen. Auf einen neuen gesellschaftlichen Metabolismus.

      StadtLand und Rurbanismus

      In Deutschland gibt es eine kleinteilige elaborierte Siedlungsstruktur, bei der die Unterschiede zwischen städtischen Zentren und ländlichem Raum nicht eindeutig auszumachen sind. 75 % der Bevölkerung wohnten in städtischen Zentren, während die anderen 75 % in ländlichen Räumen lebten, beschrieb ein früherer Abteilungsleiter des BBSR diese Charakteristik mit Augenzwinkern. Folgt man der wissenschaftlichen Systematik des Instituts zur Einteilung in die kreisfreien Großstädte und städtischen Kreise einerseits und die dünn besiedelten ländlichen Kreise sowie in solche mit Verdichtungsansätzen andererseits, so repräsentiert Thüringen durch rund 90% seiner Fläche die ländliche Raumkategorie. Dabei ist dieser Raum nicht leer. Thüringen ist vielmehr geprägt von einer dichten und kleinteiligen Siedlungsstruktur. Die 2,15 Millionen Einwohner Thüringens leben in knapp 850 Gemeinden mit durchschnittlich etwa 2.500 Einwohnern.

      „Die Hälfte von Europa ist so wie Thüringen.“ (Lütke Daldrup 2014, 10) Die Internationale Bauausstellung (IBA) Thüringen hat StadtLand zu ihrem Thema gemacht und beschreibt damit eine weit verbreitete Raumkategorie, den von größeren und kleineren Siedlungen durchsetzten ländlichen Raum, der von vielfältigen Transformationsprozessen gekennzeichnet ist. Der demografische Wandel ist nur eine Dimension davon. Klimawandel, Globalisierung und Digitalisierung und vielfältige sozio-kulturelle Veränderungsprozesse verändern das Land ebenso, wenn nicht sogar stärker als die Stadt.
       

      Das Kunstwort StadtLand der IBA Thüringen steht für die  unscharf gewordenen Kategorien von Stadt und Land. Das Verschwinden der klassischen industriellen und bäuerlichen Arbeit und mit ihnen der traditionellen proletarischen und bäuerlichen Milieus, ihrer gesellschaftlichen Strukturen, Institutionen, Riten und Werte und die neuen Arbeitswelten und Kommunikationsstrukturen lassen den Alltag in Stadt und Land ähnlich werden. Die Menschen, die heute auf dem Land leben, haben sich längst befreit aus den Bindungen der Tierpflege und dem jahreszeitlichen Rhythmus der Ackerwirtschaft. Heute lebt man auf dem Land fast wie in der Stadt, pendelt zur Schule und Arbeit und fährt die gleichen Autos. Man kauft in denselben Supermärkten ein und der Interneteinkauf wird über Nacht nach Hause geliefert. Ob man aus der Stadt oder vom Land kommt, ist den Leuten nicht mehr anzusehen. In der Studie ‚Unterwegs in deutschen Bildungslandschaften’ der Wüstenrot Stiftung wird beschrieben, dass Jugendliche unabhängig von ihrer jeweiligen städtischen oder ländlichen Lebenssituation einander auf Anhieb verstanden. Die Autoren vom Studio Urbane Landschaften zitieren die 14jährige Frida aus Hamburg mit ihrer Einschätzung über die Altersgefährten auf dem Land: „Sie sind wie Stadtkinder, nur nicht in der Stadt.“ (Studio urbane Landschaften, 2015, S.123).

      Wir sind es als professionelle Stadtplaner und Stadtplanerinnen gewohnt, Veränderungen in den Städten genauestens zu verfolgen, nicht jedoch fürs Land. Der gewaltige Wandel, der dort in nur wenigen Generationen stattfand, bleibt bis heute nahezu unkommentiert. Adrian Naef erhellt die Veränderungen in seinem Schweizer Heimatdorf mit einem kurzen Satz: „Vom winterlichen unter Null im Kinderschlafzimmer bis zur europäischen Zentrale von Microsoft vergingen in Badersdorf keine dreißig Jahre...“ (Naef 2011, 126). In der Zusammenarbeit an einer gemeinsamen Ausgabe sind die IBA Thüringen und die Redaktion der ARCH+ verschiedenen Dimensionen des Rurbanismus nachgegangen. Das Thema wurde theoretisch durch die Thesen von Henri Lefebvre zur Aufhebung des Stadt-Land-Gegensatzes eingeführt. Der französische Soziologe und Philosoph hat in den 1970er Jahren die unaufhaltsame Ausbreitung urbaner Gebiete als vollständige Urbanisierung der gesamten Gesellschaft erkannt. André Corboz wiederum beschreibt die Schweiz in Gänze als eineMetropole. Er verweist darauf, dass bereits Jean-Jaques Rousseau 1763 die Schweiz als eine große Stadt sah. In dieser Perspektive sind Stadt und Land kein Gegensatz mehr, vielmehr wird das gesamte Territorium zur Stadt erklärt, wenngleich diese zwischen ihren bebauten Vierteln viele Lücken hat, „...oder anders gesagt, sie enthält viele Flächen, die mit einer Stadt im herkömmlichen Sinn nichts zu tun haben.“ (Corboz 1992, 155).  Diese Lücken bestimmen den Charakter von Stadt in zunehmendem Maß mit.

      Interessant ist, dass sich heute immer mehr Menschen freiwillig einer gelebten Verantwortung für das Klima, für Ressourcen, unsere Ernährungsgrundlagen, Energiequellen, den Wasserhaushalt und anderes mehr unterwerfen. Sie verfolgen Praktiken, die nicht selten aus einem landschaftlichen, landwirtschaftlichen und gärtnerischen Kontext kommen wie zum Beispiel das urban gardening, water farming oder die ‚Essbare Stadt’. Während viele ‚Natur’ außerhalb der Städte suchen, findet man biologische Vielfalt vor der Haustür, in den Gärten und auf den Brachflächen der Städte. Das mag man als exotische Hobbys abtun oder als sozial-kulturell relevante Zwischennutzungen einordnen, generell gewinnen aber grüne Infrastrukturen oder regionale Bindungen von Produzenten und Konsumenten stetig an Bedeutung. Diese neuartigen Arrangements sind nicht zu verwechseln mit dem Wiederaufleben eines historischen Zustands subsistenter Lebensgrundlagen im Stadt-Land-Verhältnis der gegenseitigen Abhängigkeit und lokalen Beschränktheit, sondern werden als offenes Konzept gelebt. Sie schließen den Freiheitsgrad überregionaler Vernetzung und das Wissen um globale Verantwortung ein.

      Was die Menschen unter Stadt und Land verstehen, ist einer ständigen Fortschreibung im Alltag unterworfen und es könnte sein, dass die professionellen Erklärungsmodelle dieser Dynamik hinterherhinken. Die Begriffe ‚Stadt’ und ‚Land’ verleiten dazu, historische Eindeutigkeiten in die Gegenwart zu holen, die es so nicht mehr gibt, in jedem Fall richten sie das Augenmerk nicht auf die Transformationserscheinungen und Transzendenzen, die sowohl Land als auch Stadt ergreifen. Ein bezeichnendes Schlaglicht wirft die Dortmunder Soziologin Susanne Frank, indem sie die Familienorientierung in aktuellen Kommunalpolitiken als innere Suburbanisierungsprozesse wahrnimmt, „die charakteristische Eigenschaften suburbanen Wohnens in die Städte hereinholen“ (Frank 2014, 365). Im Ergebnis dessen entstehen sozial relativ homogene Nachbarschaften – wie in Suburbia – mit durchsetzungsstarken Akteuren und deren Forderungen an Sicherheit, soziale Kontrolle und Lebensqualität im Wohnumfeld. Frank erkennt nicht nur die Town Houses im selbstgenutzten Eigentum sondern auch Baugruppenprojekte im Bestand als Treiber dieser Entwicklung. Auch die Werbeprospekte der Makler versprechen an anderer Stelle volltönend für ihre gut betuchten Zielgruppen ‚das Dorf in der Stadt’.

      Vorn die Ostsee, hinten die Friedrichstraße, war schon immer ein Wohnideal. Die Geschichte des Städtebaus steckt voller stadtlandschaftlicher Reformideen. Ob das in den letzten Jahrzehnten in unserer Profession favorisierte Modell der Europäischen Stadt auch die hybriden Formen – von der Gartenstadt bis zur Großwohnsiedlung – ausreichend berücksichtigt, wäre einer Überprüfung wert. Klar ist in jedem Fall, dass professionelle Erklärungen sowie politische Handlungskonzepte für den ländlichen Raum fehlen.

      Der ländliche Raum als Enfant terrible

      Im ländlichen Raum steht derzeit nichts weniger als der demokratische Zusammenhalt unserer Gesellschaft auf dem Prüfstand. Die Parteien entdecken die ‚Heimat’, sie reden viel vom ‚Zuhören’ und setzen auf die Zivilgesellschaft, wirken aber alles in allem ähnlich hilflos wie die Stadtplanerinnen und -planer, die ihre alten Konzepte der zentralen Orte in Varianten fortschreiben. In seinem Editorial zur ARCH+ Ausgabe schreibt der Redakteur Anh-Lhin Ngo: „Wir erleben eine Verlagerung des Konflikts, bei der der hierarchische Blick von der Stadt auf das Land umgekehrt wird. Zugleich wird die romantische Verklärung des ländlichen Raumes als Ort der Natürlichkeit und Ursprünglichkeit, als Opfer der Industrialisierung und Verstädterung in Frage gestellt. Das Land wird zu einem ambivalenten Akteur, in mancherlei Hinsicht zum Täter und Vorreiter“ (Anh-Linh Ngo 2017, 3).

      Dass es politischen Handlungsbedarf gibt, haben nicht zuletzt die Ergebnisse der letzten Landtagswahlen gezeigt. Das Abschneiden der AfD mit 23,5% in Brandenburg und 27,5% in Sachsen machst diese Partei jeweils zur zweitstärksten Kraft und erschüttert die Parteienlandschaft. Damit reiht sich nun auch Deutschland in den weltweiten Trend hin zum rechtsgerichteten Populismus ein. Die schlichte Aussagen und alternativen Fakten der Trumps, Le Pens und Orbans werden umso aufmerksamer gehört, je mehr sich die Menschen mit unübersehbaren Veränderungen, Herausforderungen und Zumutungen konfrontiert sehen. Zu bemerken ist darüber hinaus eine Art Dammbruch in der öffentlichen Artikulation – bis dato Ungesagtes, Unsagbares wird nun herausgerufen, ja herausgebrüllt. Der Raum der öffentlichen Meinungsbildung als demokratisches Refugium verändert sich erkennbar, nicht nur im Schutz des anonymen Netzes, auch in der persönlichen Begegnung. Häufig werden diese Entwicklungen dem von Schrumpfung betroffenen ländlichen Räumen zugeschrieben. Das DIW ist vorsichtig und macht keine eindeutigen Korrelationen von Wirtschafts- und Sozialdaten zu den Wahlergebnissen der AfD aus, kommt aber dennoch zum Schluss, „dass die demografische Entwicklung in den weniger verdichteten Räumen auch ein Gefühl der Perspektivlosigkeit mit sich bringt, wodurch Vertrauen in etablierte Parteien zu erodieren droht“ (Franz et al. 2018, 136). Und tatsächlich kommt hier einiges zusammen. Im Ergebnis des demografischen Wandels und der von öffentlicher Hand und privater Wirtschaft eingeschlagenen Pfade räumlicher Konzentration schreibt der ländlich periphere Raum an vielen Stellen eine andauernde Verlustgeschichte, die in etwa so klingt: ‚Zuerst zogen die jungen Leute weg, dann wurde der Bahnanschluss eingestellt, es gibt keinen Pfarrer, keinen Lehrer, keinen Frisör oder Wirt, keinen Bürgermeister mehr vor Ort. Und der Geldautomat wird demnächst auch abmontiert!’ Wir brauchen also ein neues Narrativ für die Provinz, das Überzeugungskraft und gesellschaftliche Bindekräfte entfalten kann.

      Dennoch: Es bleibt dabei, dass nahezu alle räumlich relevanten Veränderungen wie demografische Wanderungen, unternehmerische Standortentscheidungen und die Optimierung öffentlicher und privater Dienstleistungen in die Agglomeration führen. Gerade die jungen Leute mit Berufsschul- und Studienabschluss zieht es dorthin, wo etwas los ist. Die immer singulärer lebende Gesellschaft braucht die Stadt, ihre Dienstleistungen, die bunte Konsumwelt und anregende Milieus der Begegnung. Da können Dorf und Kleinstadt nicht mithalten. Volkswirtschaftlich, kulturell und politisch ist aber der hohe Wachstumsdruck in den Zentren ebenso anstrengend wie das starke Schrumpfen in der Peripherie verlustreich ist. Beides birgt Risiken für den sozialen Frieden und den demokratischen Zusammenhalt unserer Gesellschaft. Zahlreiche Beweggründe wie soziale Gerechtigkeit und Chancengleichheit, die optimale Auslastung von Ressourcen, Beständen und Infrastrukturen sollten die gesellschaftlichen Akteure jedoch anhalten, stärker auf Balance und Ausgleich zu setzen. Einer unsystematischen Empirie folgend brauchen gerade die kleinen Städte im ländlichen Raum ein Mindestrepertoire für einen freundlichen Lebensalltag, das mit dem Erhalt der Einrichtungen der Daseinsvorsorge nicht hinreichend beschrieben ist. Insbesondere die Kleinstadt muss sich neu erfinden, dies vor dem Hintergrund, dass ihre Markt- und Handelsfunktionen massiv wegbrechen, was im Stadtbild offensichtlich wird. Im ländlichen Raum wird selbstverständlich ein schnelles Internet gebraucht, wenn möglich ein Bahnanschluss. Infrastrukturen für den öffentlichen Verkehr sind der öffentliche Raum in der Peripherie, er braucht sorgfältige Gestaltung. Aber schauen wir die Tausenden leerstehender, verrammelter Bahnhöfe landauf landab an, werfen wir einen Blick darauf, wie banal Haltestellen von Bus und Bahn gestaltet werden! Zentral, weil verbunden mit frühen Wohnortentscheidungen, sind die Einrichtungen der beruflichen Ausbildung. Deren immer weitere Zentralisierung ist demografischer Sprengstoff für den ländlichen Raum und wird schwerwiegende wirtschaftliche Folgen für einen dezentral verorteten gewerblichen Mittelstand haben. Bezeichnender Weise ist ein Spiegelartikel über die Strategien Thüringer Unternehmer zur Gewinnung von Fachkräften mit dem Titel „Thüringer Tricks“ überschrieben. Man muss sich schon etwas einfallen lassen, um auf lange Sicht in peripheren Lagen genügend gute Arbeitskräfte zu finden und zu binden. Absolut notwendig ist die verlässliche, sicht- und hörbare, kontinuierliche Vorortpräsenz demokratischer Institutionen und ihrer Vertreter. Noch so gute Förderprojekte für die Zivilgesellschaft werden das nicht kompensieren können.

      Landlust, Raumpioniere und die Landwirtschaft

      „Die Menschen wandern aus den Dörfern in die Städte. Dort träumen sie vom Landleben.“(Schönfelder 2018, 49) Es gibt Trends, die der anhaltenden Zentralisierung entgegenstehen: die zunehmende Mobilität der Menschen, die Flexibilisierung der Arbeitswelten, multilokale Lebensweisen und anderes mehr. Auch wenn diese per Saldo nicht die Wanderungen in die Städte kompensieren, sollten wir sie stärker zur Kenntnis nehmen. Sie gestatten ein Leben im Sowohl-als-Auch und können die Vorzüge unterschiedlicher Alltagsräume miteinander verbinden. Das bereichert das Lebensglück vieler Menschen und die von Einwohnerrückgang und Leerstand gekennzeichneten Räume, Siedlungen und Gebäude gleich mit. Insofern spricht nichts gegen die viel belächelte Landlust oder deren coolere Version, die Raumpioniere. Freilich haben deren Bildspeicher von gesunden Umweltbedingungen, dem selbstbestimmten Leben in der Natur, von ländlicher, wenn nicht gar bäuerlicher Idylle nicht viel mit der Realität heutiger Land- und Forstwirtschaft zu tun. In einer öffentlichen Diskussionsrunde um die Zukunft des ländlichen Raumes in Thüringen rief eine Frau aufgebracht, sie würde ja gern aufs Dorf ziehen, aber bei dieser Art von landwirtschaftlicher Produktion sei das völlig ausgeschlossen.

      Diskussionen um das Tierwohl und der eine oder andere Lebensmittelskandal haben in den letzten Jahren immer nur wenige erreicht, sind kurz aufgeschäumt und schnell wieder verebbt. Aber an der Art und Weise unserer hochindustrialisierten Landwirtschaft sind grundsätzliche Zweifel anzumelden, da sie offenkundig nicht mehr auf den Prinzipien der Nachhaltigkeit beruhen. Supersize, Hightech und unverständliche Direktsubventionen haben aus der Landwirtschaft mittlerweile einen hocheffizienten Industriezweig gemacht, der von der Gesellschaft nicht mehr verstanden wird. Aber die alarmierenden Nachrichten über das Insektensterben, die uns 2017 auf verschiedenen Kanälen erreichten, haben womöglich dazu geführt, dass die Fragen, wie wir uns ernähren und versorgen, nun nicht mehr von der öffentlichen Agenda verschwinden werden. Die weltweit anwachsende Bewegung zum Klimaschutz weist ebenfalls in diese Richtung. Hauptakteure für den anstehenden Wandel werden die Landwirte selbst sein müssen – denn andere treten nicht an ihre Stelle. Kenneth Anders und Lars Fischer beklagen das Dilemma eines fehlenden öffentlichen und fairen Diskurses für eine erneuerte Agrarpolitik, da die Landwirte wahlweise als ‚Täter’ oder als ‚Opfer’ in der heutigen Medienlandschaft dargestellt würden. So würden „Kooperationen verhindert, Feindbilder geschürt und einfache Antworten auf sehr komplexe Verhältnisse gefördert“ (Anders, Fischer 2017, 90). Wir stehen also ganz am Anfang einer notwendigen gesellschaftlichen Debatte. Betrachten wir als Stadtplaner und -planerinnen das Land, dürfen wir unseren Blick nicht auf das Dorf begrenzen und dieses als Siedlungs-, Sozial- und Kulturraum wahrnehmen, sondern müssen den Horizont erweitern – auf das Feld, in den Wald, in den Stall und auf den Acker. Gäbe es sonst keine gesellschaftliche Notwendigkeit für das Leben im ländlichen Raum, etwa weil man ja schließlich alle wichtigen gesellschaftlichen Funktionen in den städtischen Zentren so wunderbar effizient und dabei so unterhaltsam erledigen könnte – gerade hier liegt seine gesellschaftliche Aufgabe: Vorposten in die Fläche zu sein und zu bleiben. Dazu noch einmal Anders und Fischer: „Das Bild, das im Demografiediskurs vom Land gemalt wird, ist das von todgeweihten Gegenden. Unterdessen gedeihen urbane Autarkiephantasien. (...) Mit der symbolischen und materiellen Entleerung des Landes sind bestimmte strategische ‚Vorteile’ für dessen Verwertung verbunden. Der Verbrauch an Flächen, Boden und Kultur z. B. durch die Energiewirtschaft tut weniger weh, wenn es außerhalb des eigenen Lebenskontextes erfolgt. Je enger wir also die Grenzen dieses Kontextes ziehen, umso weniger Rücksichten müssen wir üben. Da nützt auch ein grünes Bewusstsein nichts: Was nicht zum Eigenen gehört, wird von uns verbraucht, nicht bewirtschaftet. Die Konkurrenz der Räume bestimmt das Bild, es gibt Verlierer und Gewinner.“ (Anders, Fischer 2015, 33)

      Hier schließt sich der Bogen zum eingangs aufgerufenen Millenium der Städte. Die alte Fortschrittserzählung von ‚Stadtluft macht frei’ taugt nicht mehr. Sie basierte auf dem politischen und kulturellen Gegenbild zum Land, zum „Idiotismus des Landlebens“. Aber die Gradiente zwischen Stadt und Land wird immer flacher. Angesichts des Klimawandels tritt nun das in unserer Profession über mehrere Jahrzehnte weichgespülte Konzept der Nachhaltigkeit mit voller Wucht wieder auf die Tagesordnung. Es müssen die störrischen Begriffe wie Suffizienz, Resilienz und Subsistenz in die räumliche Planung eingetragen werden. Ein neues StadtLand-Verständnis muss den Umweltenergiequellen, der gefährdeten biologischen Vielfalt, den CO2-Senken und nachwachsenden Rohstoffen sowie den grünen Infrastrukturen einen komplett anderen Stellenwert zugestehen. Veränderte Wertorientierungen im Alltag, Digitalisierung und Logistik, Wachstumsdruck sowie Flächenknappheit erfordern eine professionelle urbane Praxis, die belastbare Arrangements mit den Nachbarn einschließt (und wir alle wissen, wie weit weg unser Planungssystem davon ist). Das Land und die Landschaft, der Freiraum, die Flächen und Böden werden darin ihren Platz einnehmen. Denn man kann –  siehe das Eingangszitat von Rem Koohlhaas – die Stadt nicht länger verstehen, ohne das Land zu verstehen.
       


      Literaturangaben

      Anders, Kenneth, Fischer, Lars (2015): Auf der Suche nach einer neuen Sesshaftigkeit – Texte über Landschaftskommunikation, Oderaue

      Anders, Kenneth, Fischer, Lars (2017): Einige Thesen über die Landwirtschaft von heute, in: ARCH+, Aachen, S. 90-91

      ARCH+, Zeitschrift für Architektur und Städtebau (2017): StadtLand. Der neue Rurbanismus, Aachen 

      Corboz, André (1992): Die „Großstadt“ Schweiz oder Zur Notwendigkeit und von den Abhängigkeiten einer Stadtplanung, in: Hans G Helms (Hg): Die Stadt als Gabentisch, Leipzig, S. 153-171

      Faber, Kerstin, Oswalt, Philipp (2013): Raumpioniere in ländlichen Regionen – Neue Wege der Daseinsvorsorge, Dessau, Leipzig

      Frank, Susanne (2014): Mittelschichtfamilien als Adressaten und Motoren der Stadt- und Quartiersentwicklung, in: Informationen zur Raumentwicklung, Dortmund, S. 361-370

      Franz, Christian, Fratzscher, Marcel, Kritikos, Alexander S. (2018): AfD in dünn besiedelten Räumen mit Überalterungsproblemen stärker, in: DIW Wochenbericht 8/2018

      IBA Thüringen (2014): IBA Kompass, Weimar 

      Koolhaas, Rem (2014): „Koolhaas in the country", in: Icon, Online: http://www.iconeye.com/ (02.03.2017) 

      Latour, Bruno (2017): Kampf um Gaia. Acht Vorträge über das neue Klimaregime, Berlin

      Naef, Adrian (2011): Die Städter, Frankfurt am Main

      Schönfelder, Maya Kristin (2018): Zukunftslabor Kannawurf. In welcher Landschaft wollen wir leben?, in: IBA Magazin 05/2018, Weimar, S. 48-53

      Thüringer Tricks: Strategien gegen Fachkräftemangel, Spiegelonline, www.spiegel.de 
      (28.02.2018)

      Wissenschaftlicher Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (WBGU) (2016): Der Umzug der Menschheit: Die transformative Kraft der Städte (Kurzfassung), Berlin

      Wüstenrot Stiftung (Hg.) (2015): Unterwegs in deutschen Bildungslandschaften, Ludwigsburg

    • Formate

      Formate

      Die IBA Thüringen versteht sich als Reallabor für das praktische Erproben neuer Ideen und Vorgehensweisen. Sie setzt auf engagierte Akteure und wird selbst initiativ. IBA Projekte sollen das programmatische Anliegen der IBA aufgreifen und beispielgebend umsetzen. Ihren Partnern bietet die IBA Thüringen fachliche sowie kommunikative Unterstützung und organisiert den Austausch mit Experten und Impulsgebern. Sie sorgt dafür, dass die Projekte national und international wahrgenommen werden. Dies erfolgt vor allem durch Ausstellungen in den Meilensteinjahren 2015, 2019 und 2023. Außerdem bezieht sie die Öffentlichkeit ein und baut ein Netz aus Interessierten im nationalen und internationalen Kontext, von Unterstützern und Engagierten auf. 

    • Projekte

      Projekte, Kandidaten, Erwartungsräume

      Die IBA Thüringen gelangt auf unterschiedlichen Wegen zu ihren Projekten. 2014 hat sie unter dem Titel ›Zukunft STADTLAND!‹ einen landesweiten Projektaufruf gestartet. Auf Empfehlung des Fachbeirats wurden 16 IBA Kandidaten und drei IBA Erwartungsräume nominiert. Darüber hinaus formuliert die IBA Thüringen Suchrichtungen und Erwartungsräume sowie gezielte Aufrufe und wird selbst initiativ. Sie nominiert ungewöhnliche Ideen und Vorschläge als IBA Kandidaten. Können diese ihren innovativen Charakter, ihre bauliche Exzellenz einerseits und ihre Machbarkeit andererseits nachweisen, werden sie als IBA Projekte realisiert. 

      An IBA Projekte wird ein hoher Maßstab gelegt: Sie sind radikal im Denken, richtungsweisend in Bezug auf die IBA Themen und Ziele, kreativ in der Umsetzung und exzellent in der Gestaltung. Außerdem sind sie regional verankert und öffnen sich gleichermaßen internationalen Anregungen. Sie lassen den ›State of Art‹ hinter sich und sind als Prozess und Produkt beispielhaft für gutes Planen und Bauen. Die Projekte werden zu Modellfällen und Prototypen für das StadtLand im Wandel und werden diesem im besten Fall ein überzeugendes Gesicht und eine angemessene Gestalt verleihen, so dass sie international von sich reden machen. Ihre Erfahrungen sind eine ›Open Source‹ und werden anderen Interessierten bereitgestellt.

    • Ausstellungen

      Ausstellungen

      Ausstellen bedeutet für die IBA Thüringen ein kontinuierliches Kommunizieren und Vermitteln ihres Programms, ihrer Projekte und Prozesse. Diese Aktivitäten bündeln sich in den drei Meilensteinjahren: 2015 führte die IBA ihren ersten StadtLand Sommer durch. 2019 fiel das Jahr der IBA Zwischenpräsentation mit dem hundertjährigen Bauhausjubiläum zusammen. Im Jahr 2023 wird sich die IBA Thüringen mit einer Realausstellung als ein öffentliches und internationales Schaufenster des Wandels präsentieren.

    • Veranstaltungen

      Veranstaltungen

      Die IBA Thüringen versteht sich als öffentliche Plattform und möchte mit den Menschen im Freistaat in den Dialog treten. Dazu hat sie verschiedene Veranstaltungsformate entwickelt. IBA Salons greifen jeweils mit einem Partner übergeordnete Themen der IBA Thüringen auf; sie bieten fachliche Anregungen und weiten den Blick über Thüringen hinaus bis hin zum internationalen Austausch. In IBA Konferenzen werden einmal jährlich inhaltliche Schwerpunkte der IBA Thüringen vertieft. Darüber hinaus werden vor Ort mit den IBA Kandidaten unterschiedliche Werkstattsitzungen und öffentliche Veranstaltungen durchgeführt. 

    • Magazin

      Magazin

      Die IBA Thüringen gibt jeweils zu Beginn eines Jahres ein Magazin heraus, das über die Aktivitäten und Entwicklungen des vorangegangen Zeitraums berichtet und einen Ausblick auf die nächste Etappe unternimmt. Im Magazin werden die IBA Kandidaten und Projekte vorgestellt, das Panorama vermittelt Anregungen aus dem nationalen Netzwerk und internationalen Raum. Das Magazin können Sie bei der Geschäftsstelle bestellen.

    • IBA meets IBA

      IBA meets IBA

      Die IBA Thüringen steht in der Tradition großer deutscher Bauausstellungen. Innerhalb einer mehr als hundertjährigen Geschichte haben sich deren Aufgaben und Erscheinungsformen stark gewandelt. Stand zu Beginn des 20. Jahrhunderts noch der Gedanke einer internationalen Leistungsschau im Vordergrund, verschob sich später der Fokus auf große städtebauliche und regionale Entwicklungsprozesse im Bestand. Heute sind Internationale Bauausstellungen ein bewährtes Instrument der Baukultur und innovativer Stadt- und Regionalentwicklung. Derzeit finden fünf Internationale Bauausstellungen parallel statt, so viele wie nie zuvor. Die IBA Heidelberg und IBA Wien sind auf der Ebene einer Stadt angesiedelt, die IBA Basel ist trinational im Dreiländereck Schweiz-Deutschland-Frankreich angelegt und auch die IBA Parkstad mit ihrem Schwerpunkt in der niederländischen Provinz Limburg arbeitet grenzüberschreitend. 

      Ausführliche Informationen zu Geschichte und Format der Internationalen Bauausstellungen erhalten Sie unter www.internationale-bauausstellungen.de.